Hahn darf erst ab 8 Uhr krähen: Wie Gerichte über Lärm urteilen

- Immer wieder gibt es unter Nachbarn Streitigkeiten wegen Lärms. Was erlaubt und zumutbar ist, hat der Deutsche Mieterbund zusammengestellt.

Elektrogeräte

Für die Nutzung von Geräten wie Fernseher, Stereoanlage oder Radio gibt es keine zeitliche Begrenzung. Allerdings muss hier die "Zimmerlautstärke" eingehalten werden, das heißt, es dürfen außerhalb der Wohnung keine oder kaum noch Geräusche zu hören sein. Ab 22 Uhr gilt Nachtruhe, spätestens dann muss die Lautstärke noch weiter zurückgedreht werden.

Musikinstrumente

Häusliches Musizieren ohne Belästigung der Nachbarn ist ebenso erlaubt. Im Mietvertrag können zwar einschränkende Regelungen enthalten sein, aber ein 100-prozentiges Musizierverbot sowie Ruhezeitenregelungen sind unzulässig.

Haustiere

Haustiere dürfen die Nachbarn nicht durch unzumutbares Gebelle oder andere Geräusche stören. Die Gerichte gehen in aller Regel von folgenden Zeiten aus, in denen gebellt, gepfiffen oder gekräht werden darf: Hunde dürfen zwischen 8 und 13 Uhr und zwischen 15 und 19 Uhr höchstens 30 Minuten und nicht länger als zehn Minuten am Stück bellen.

Papageien ist es erlaubt, von 9 bis 12 und zwischen 13 und 16 Uhr auf der Terrasse oder im Freien abgestellt zu werden. Ein Hahn, der in einem Wohngebiet gehalten wird, darf erst ab 8 Uhr krähen, am Wochenende und an Feiertagen erst ab 9 Uhr.

Kinder

Kinder dürfen grundsätzlich in der Wohnung spielen, und das natürlich auch rund um die Wohnung im Freien. Unruhe infolge des normalen Spiel- und Bewegungstriebes der Kinder muss hingenommen werden. Auch darf mal durch die Wohnung gerannt oder eine Tür zugeschlagen werden. Allerdings muss rücksichtsloser Lärm wie zum Beispiel Fußball spielen in der Wohnung, Rollschuh- oder Fahrradfahren im Hausflur nicht akzeptiert werden. Aber nächtliches Weinen und Schreien von Kleinkindern und Säuglingen muss geduldet werden.

Feste

Feste und Parties dürfen weder einmal im Monat noch einmal im Vierteljahr in einem Mietshaus gefeiert werden. Das bedeutet aber nicht, dass überhaupt nicht gefeiert werden darf, es muss nur Rücksicht auf die Nachbarn genommen werden, insbesondere ab 22 Uhr.

Haushaltsgeräte

Haushaltsmaschinen und -geräte dürfen auch dann in der Wohnung benutzt werden, wenn dies mit Geräuschen verbunden ist. Für Staubsauger, Wasch- und Spülmaschinen gelten die allgemeinen Ruhezeiten. Aber auch wenn es die Ruhezeiten erlauben, muss nicht unbedingt am Sonntagmorgen um 8 Uhr gesaugt werden.

Baden und Duschen

Baden und Duschen ist auch nach 22 Uhr gestattet, ein Verbot im Mietvertrag ist unwirksam. Allerdings kann das Recht auf nächtliches Baden oder Duschen laut dem Oberlandesgericht Düsseldorf auf maximal 30 Minuten beschränkt werden. Die Toilette und damit die Wasserspülung darf jederzeit genutzt werden.

Aufzug

Aufzugsanlagen müssen so schallisoliert sein, dass sie nachts im jeweils nächstliegenden Raum nicht stören, insbesondere beim Anfahren und Abbremsen.

Heizung

Auch eine Heizungsanlage darf die Bewohner nicht durch nächtliche Klopfgeräusche oder Ähnliches stören. Dafür hat der Vermieter zu sorgen.

Gartenmaschinen

Nach der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung dürfen seit September 2002 an Sonn- und Feiertagen sowie werktags zwischen 22 und 7 Uhr in Wohngebieten keine Rasenmäher, Motorkettensägen, Heckenscheren und Vertikulierer mehr eingesetzt werden. Laubsammler, Laubbläser, Grastrimmer und ähnliche Geräte sind werktags nur zwischen 9 und 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr erlaubt.

Müllcontainer

Müllcontainer und Abfallsammelbehälter dürfen werktags zwischen 22 und 7 Uhr und an Sonn- und Feiertagen nicht befüllt werden.

Gaststätten

Nächtlicher Lärm aus Kneipen und Geschäften muss nicht hingenommen werden. Mieter können sich mit den Verursachern auseinander setzen oder den Vermieter einschalten. Sie können sich auch direkt an die zuständige Ordnungsbehörde wenden.

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