In halb Oberbayern kommt heute keine Post

Freising - Weite Bereiche Oberbayerns bekommen heute keine Post, weil die Gewerkschaft Verdi das Freisinger Briefzentrum bestreikt. Betroffen sind vor allem der Norden und Osten der Landkreise um München.

Hunderttausende Haushalte können sich am heutigen Montag den Weg zum Briefkasten sparen. Wenn der Zusteller in Orten, deren Postleitzahl mit 85 beginnt, überhaupt kommt, hat er allenfalls nicht sehr eilige Dinge dabei. Werbesendungen oder Post, die vom Samstag übrig geblieben war.

Alles aktuelle - rund 200 000 Sendungen - türmt sich derweil im Freisinger Briefzentrum. Dort hat die gestrige Nachtschicht mit 60 bis 80 Mitarbeitern die Arbeit niedergelegt. Andreas Faltermaier von der Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass die Zusteller am Morgen keine neuen Briefe haben.

Der Warnstreik betrifft ein riesiges Gebiet, vor allem im Norden Oberbayerns, in dem die Stadt Ingolstadt und zumindest Teile der Landkreise Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen, Freising, Dachau, Erding Ebersberg und München liegen. Zwar handelt es sich dabei nur um einen Warnstreik, der nach einem Tag vorbei ist. Doch dieser könnte einen Vorgeschmack auf das bieten, was auf die Bürger im Mai zukommen könnte.

Verdi ist wild entschlossen, einen unbefristeten Arbeitskampf aufzunehmen. Die Tarifkommission hat bereits für einen Streik gestimmt, der spätesten am 2. Mai beginnen soll. Bis zum 30. April soll das Ergebnis der Urabstimmung vorliegen.

In der Nacht zum Samstag hatte Verdi den Gesprächsmarathon mit der Konzernführung abgebrochen. Das Angebot für die 130 000 Tarif-Beschäftigten wies die Gewerkschaft als "pure Provokation" zurück. Streit gab es über die von der Post verlangte Arbeitszeitverlängerung und die zusätzlichen Lohn-Prozente.

In dem seit Wochen schwelenden Tarifkonflikt will die Gewerkschaft sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie die Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Mitte 2011 und zehn sogenannte Arbeitszeitverkürzungstage pro Jahr durchsetzen.

Zu möglichen Folgen eines unbefristeten Streiks sagte Verdi-Sprecher Günter Isemeyer, es sei nicht die Sache der Gewerkschaft, einen Post-Notbetrieb aufrechtzuerhalten. "Bei einem Vollstreik kann es natürlich sein, dass eine Woche lang überhaupt nichts läuft", sagte er. "Für die Kunden ist allein das Unternehmen zuständig, wir kümmern uns um unsere Mitglieder."

Heftigen Streit gab es am Wochenende über Details des von der Post vorgelegten Angebots: Zwar scheine es, als ob die Arbeitszeit nur um eine halbe Stunde auf 39 Stunden erhöht werde. Tatsächlich sehe die Post jedoch eine Erhöhung um zweieinhalb Stunden vor, weil Pausen wegfallen sollten, erklärte Verdi. Rund 12 500 volle Arbeitsplätze wolle die Post abbauen und so 502 Millionen Euro sparen. Das Unternehmen sprach hingegen von einem "sehr fairen und sehr attraktiven Angebot", das überdies "verhandelbar" sei.

Die Offerte sehe eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, eine Verlängerung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde pro Woche und eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011 vor. Wer das Angebot ausschlage, vertrete "nicht wirklich die Interessen unserer Mitarbeiter", sagte Personalvorstand Walter Scheurle. Man sei aber weiter uneingeschränkt gesprächsbereit. Verdi-Sprecher Isemeyer kritisierte das Arbeitgeberangebot als "Griff in die Tasche der Beschäftigten". Die angebotenen 5,5 Prozent Lohnerhöhung entsprächen auf 26 Monate gerechnet einem Volumen von 2,2 Prozent.

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