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Keine Staatshilfe für bekannte Münchner Mode-Kette - Weitreichende Folgen für Mitarbeiter

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Von: Cindy Boden

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Mannequins stehen während des coronabedingten Lockdowns im Schaufenster eines verriegelten Modegeschäfts.
Mannequins stehen während des coronabedingten Lockdowns im Schaufenster eines verriegelten Modegeschäfts. © Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Viele Wirtschaftszweige haben wegen der Corona-Maßnahmen riesige Probleme - auch das Modeunternehmen Hallhuber. Nun will die Kette Mitarbeiter anscheinend freistellen.

München - Rund um das Schlagwort „Insolvenz“ machten 2020 so einige Modeketten traurige Schlagzeilen. Dazu gehört auch das Münchner Modeunternehmen Hallhuber. Das Amtsgericht München genehmigte im Frühjahr 2020 ein sogenanntes Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung, „um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden“, wie es hieß. Die Corona-Pandemie und harte Schließungs-Maßnahmen hinterließen beim Traditionsunternehmen schnell ihre Spuren. „Wir waren bis Januar 2020 sehr erfolgreich unterwegs, aber die behördlich angeordneten Schließungen unserer Verkaufsflächen setzen uns jetzt hart zu“, sagte Hallhubers Vorstandschef Rouven Angermann damals.

Doch das Drama zieht sich bis heute weiter. Mindestens bis Mitte Februar bleiben die Geschäfte in den Innenstädten weiter geschlossen. Was dann passiert, ist bisher völlig offen. Dürfen Geschäfte öffnen? Wenn ja, welche Hygienekonzepte müssen eingehalten werden? Kommt auch wirklich wieder viel Kundschaft in die Städte und Läden? Fragen, die derzeit niemand beantworten kann.

Geht Hallhuber in den „Winterschlaf“? Internes Schreiben in Medienbericht veröffentlicht

Deshalb will Hallhuber nun erst einmal in den „Winterschlaf“ gehen. Das Unternehmen wird ab 1. Februar weitreichende Schritte umsetzen. Ein von der Webseite bild.de veröffentlichtes brisantes Schreiben an die Mitarbeiter sei echt, bestätigte eine Unternehmenssprecherin Merkur.de auf Anfrage.

In dem Papier heißt es, man müsse „den laufenden Geschäftsbetrieb intern auf das absolute Minimum zurückfahren und in den Monaten Februar und März 2021 nur unseren erfolgreichen Webshop sowie wesentliche Zentralfunktionen operativ halten“. Zum 1. April soll das Geschäft dann wieder anfahren - es sei denn, der Lockdown wird früher aufgehoben oder die Umstände ändern sich positiv. Dann soll eine „neu finanzierte Hallhuber Gesellschaft“ außerhalb des Schutzschirmverfahrens an den Start gehen.

Münchner Modeunternehmen Hallhuber: Mitarbeiter sollen wohl unwiderruflich freigestellt werden

Doch dafür müssen die Mitarbeiter erst einmal viel in Kauf nehmen: Vom 1. bis vorerst 14. Februar werden die Mitarbeiter erst einmal unwiderruflich freigestellt - niemand soll zur Arbeit kommen. Wird der Lockdown verlängert, soll auch diese Freistellung verlängert werden. Die Mitarbeiter wurden dazu aufgerufen, sich umgehend arbeitslos zu melden und Arbeitslosengeld I zu beantragen. Gleichzeitig steht in dem Schreiben, das Unternehme werde „eine Zusage der Fortführung Eures Arbeitsverhältnisses treffen“.

„Wir haben die Mitarbeiter ab dem 1. Februar 2021 und zunächst nur zeitlich befristet bis zum 14. Februar 2021 unwiderruflich freigestellt. Da die unwiderrufliche Freistellung (trotz Bestandes eines Arbeitsverhältnisses) formal ‚Arbeitslosigkeit‘ auslöst, haben diese Mitarbeiter Anspruch auf Arbeitslosengeld“, erläuterte die Sprecherin. Grund für die Probleme sei auch, dass „die medienbekannten Staatshilfen“ aufgrund „europarechtlicher Beschränkungen leider aus Rechtsgründen nicht zur Verfügung stehen“.

„Uns ist vollkommen bewusst, dass der jetzt von uns gewählte Weg gefühlt unnötig kompliziert ist“, heißt es in dem Schriftstück beschwichtigend. Doch das Unternehmen habe keine andere Wahl, „um Hallhuber auch nach dem Lockdown mit allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wieder auf Erfolgskurs zu bringen.“

Auf Anfrage von Merkur.de* gab sich das Unternehmen allerdings optimistisch für die kommenden Monate: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Refinanzierungsgespräche bereits in den nächsten Tagen zum Abschluss bringen können“, hieß es. „Damit legen wir den Grundstein für die neu finanzierte Hallhuber-Gesellschaft außerhalb eines Schutzschirmverfahrens.“

Hallhuber: Corona-Lockdown macht Modekette zu schaffen

Hallhuber besitzt laut seiner Webseite fast 200 Stores und Verkaufsflächen (Stand Ende Oktober 2020), in denen sie ihre Ware exklusiv vertreiben - in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Luxemburg und Italien. Während der Schließungen muss das Unternehmen auf seine Online-Plattformen in den Ländern hoffen.

Zuletzt musste auch die bekannte deutsche Modekette Adler Insolvenz anmelden. Kunden zeigten sich sehr betroffen. Auch der insolvente Mode-Discounter Pimkie will fast jede zweite Filiale schließen(cibo/fn)

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