"Halte Elektrosmog nicht für akute Gefahr"

- Die Idee klingt nicht schlecht: Acht stationäre Sonden sollen in Bayern die Belastung der Menschen durch Funkwellen messen. Das 650 000 Euro teure Pilotprojekt "Baymess" aber ist umstritten. Gesundheitsminister Eberhard Sinner verteidigt die Messungen, die von Mobilfunkbetreibern mitbezahlt werden sollen. An der Seriosität der damit betrauten Firma, die auch "Pro-Mobilfunk-Kampagnen" anbietet, zweifelt er nicht: "Die Firma ist nicht Partei. Messwerte kann man nicht fälschen", sagte er unserer Zeitung.

<P>Warum wollen Sie messen, was längst gemessen ist?<BR>Sinner: Wir wollen nichts messen, was schon zehn Mal bekannt ist. Es geht uns nicht um Mobilfunk allein, sondern um die ganze Bandbreite der hochfrequenten elektromagnetischen Felder - auch um Amateurfunk, Militärfunk, Polizeifunk, Radio und Fernsehen oder Feuerwehrfunk.</P><P>Warum bitten Sie dann nur die Mobilfunkbetreiber zur Kasse - die reagieren wenig beglückt.<BR>Sinner: Das wichtigste Thema ist eben Mobilfunk und nicht etwa Radio oder Fernsehen. Es gibt in Bayern 700 Bürgerinitiativen, denen die Sendeanlagen unheimlich sind.</P><P>Ihnen offenbar auch - ist Elektrosmog eine Gefahr für die Menschen?<BR>Sinner: Ich halte das nicht für eine akute Gefahr. Aber was man im Interesse effektiver Vorsorge messen kann, sollte man messen, um auf eine rationale Ebene zu gelangen. Wir wollen auch ein bundesweites Anschlussprojekt, bei dem die direkten Einwirkungen auf den Menschen gemessen werden sollen. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post steht voll dahinter.</P><P>Die zahlenden Partner des Baymess-Projekts aber sind skeptisch - was nun?<BR>Sinner: Die Mobilfunkbetreiber hatten schon vor Monaten ihre Unterstützung zugesagt und Geld in Aussicht gestellt. Umso unverständlicher sind die jetzt offenbar gefallenen Äußerungen. Nach wie vor kann das Projekt mehr Information für die Bürger und wichtige Daten für die Vorsorge liefern. Deshalb macht es Sinn, wenn wir es weiter verfolgen . . .</P><P>. . . und draufzahlen?<BR>Sinner: Unser vorgesehener Beitrag von 130 000 Euro wird mit Sicherheit nicht erhöht. Wenn die Firmen nicht mitziehen, kann Baymess auch nicht laufen.</P><P>Das Gespräch führteChristian Deutschländer<BR></P>

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