Familiendrama in Penzberg: Schwiegertochter stellt sich

Familiendrama in Penzberg: Schwiegertochter stellt sich

Hamburg bangt um Geld und Stellen

- Hamburg - Die neuerliche Lieferverzögerung bei Superjumbo A380 hat Airbus in eine tiefe Krise gestürzt und in Deutschland die Angst um Tausende hochwertige Arbeitsplätze geschürt. Die Stimmung bei den Mitarbeitern im Hamburger Werk, wo allein 2500 Jobs direkt vom A380 abhängen, ist entsprechend gedrückt. EADS hatte am Vorabend mitgeteilt, dass sich die Auslieferung des Riesen-Airbus erneut verzögern wird, um ein weiteres Jahr. Dadurch büßt der Konzern in den kommenden Jahren 4,8 Milliarden Euro ein.

Die Situation in Hamburg ist auch deswegen besonders angespannt, weil die Stadt bereits viele Millionen für den A380 ausgegeben hat.

Beim Sparprogramm soll es keine Tabus mehr geben

Um den Ausbau des Airbus- Firmengeländes in Hamburg-Finkenwerder gab es zudem in den vergangenen Jahren heftigen Streit. Dabei ging es vor allem um die Werkserweiterung im sogenannten Mühlenberger Loch, einer Elbbucht. Heftig prozessiert wurde um den Ausbau der Startbahn des Airbus- Werksflughafens um 589 auf 3273 Meter Länge, die nach Angaben von Airbus für eine Frachtversion der neuen A380 erforderlich wäre.

Nach Zahlen der Realisierungsgesellschaft belaufen sich die Gesamtkosten für die Werkerweiterung auf 665 Millionen Euro. Airbus und Hamburg hatten den Ausbau vor allem mit der Schaffung von mehr Arbeitsplätzen begründet. In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag wurde nach Angaben der Wirtschaftsbehörde im Jahr 2004 festgelegt, dass Airbus die Endfertigung des Super-Airbus A380 in Hamburg belässt.

Jetzt will die EADS die Krise um den Superjumbo nutzen, um den Airbus-Konzern umzubauen. Mit einer Schocktherapie will Konzernchef Christian Streiff Airbus wieder in die Gewinnzone führen. Sein vom EADS-Vorstand abgesegnetes "Power-8"-Programm sieht eine Neuorganisation der Produktion vor, die auch eine neue Aufgabenteilung zwischen den Werken in Frankreich und Deutschland zur Folge haben könnte. Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Toulouse und Hamburg haben sich als Hauptursache für das A380-Fiasko entpuppt. Es werde keine Tabus mehr geben, sagte Streiff: "Alle verschiedenen Fabrikationsaktivitäten werden überprüft, um zu sehen, welche zum Kern unserer Aufgabe gehören." Wo man nicht wettbewerbsfähig sei, werde ausgelagert.

In den kommenden vier Monaten will er konkrete Maßnahmen ausarbeiten. Seine Zielvorgaben sind drastisch: Einsparungen der laufenden Kosten bis 2010 um fünf Milliarden Euro, danach jährlich mindestens zwei Milliarden Euro. Die Hauptlast werden die Konzernzentrale in Toulouse sowie die Verwaltungen an den anderen Standorten tragen müssen. In Toulouse seien 30 Prozent der 4000 Verwaltungsstellen betroffen, an allen anderen Standorten 25 Prozent, schrieb das französische Finanzblatt "La Tribune". Airbus wollte diese Zahlen nicht bestätigen. In Frankreich begannen gleichwohl erste Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern. Verschont bleiben vorerst wohl die Beschäftigen in der Produktion, weil die Werke (mit Ausnahme der A380-Hallen) auf Hochtouren arbeiten. Mehr als 400 Maschinen werden in diesem Jahr ausgeliefert, 2007 mindestens 450 (darunter der erste Superjumbo für Singapore Airlines)

Parallel zu den Einsparungen will Streiff die Produktivität in vier Jahren um 20 Prozent steigern. Die Entwicklung neuer Flugzeuge soll künftig von siebeneinhalb auf fünfeinhalb Jahre heruntergefahren werden. Zum Rettungsplan gehört überdies der verstärkte Einsatz von Partnern in Billiglohnländern und in der Dollar- Zone.

Thomas Enders, Co-Chef der EADS, sieht die Zeit für allzu große Rücksichtnahme auf regionale Probleme für abgelaufen: "Lassen Sie uns ein bisschen Realismus in die Diskussion einführen", sagte er. Angesichts des steigenden Globalisierungsdrucks etwa aus China könne die Zukunft von Airbus nicht von einer rigiden Aufteilung zwischen den europäischen Partnern abhängig gemacht werden. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Deutsche Autobranche würde heftige Brexit-Einbußen erleiden
London steuert weiter auf einen Brexit zu. Was bedeutet das für die Autoindustrie? Experten meinen: Auf britischen Straßen könnten bald weniger Autos aus Stuttgart, …
Deutsche Autobranche würde heftige Brexit-Einbußen erleiden
„Menschenverachtend“: Shitstorm gegen Rossmann
Was einer Frau vor kurzem in einer Berliner Filiale der Drogeriekette Rossmann erlebt hat, sorgt für Empörung – im Markt selbst, aber vor allem im Netz. 
„Menschenverachtend“: Shitstorm gegen Rossmann
Thyssenkrupp testet seillose Aufzüge
Rottweil (dpa) - Mit Magnetkraft in die Höhe: Thyssenkrupp hat im Rottweiler Testturm am Donnerstag ein seilloses Aufzugsystem vorgestellt. Die 160 Jahre lange Ära der …
Thyssenkrupp testet seillose Aufzüge
Passagier-Vorteil: Eurowings übernimmt Flüge für Lufthansa-Partner
Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat mitgeteilt, dass sie weitere Zulieferflüge von Lufthansa-Partnern übernimmt. Für Passagiere hat das einen Vorteil. 
Passagier-Vorteil: Eurowings übernimmt Flüge für Lufthansa-Partner

Kommentare