Im Hamburger Nebel wird nach Haim Saban geangelt

- München - Hamburg will das Fernsehen ganz nah sehen. Mit billigen Immobilien will der Senat den privaten TV-Konzern Pro-Sieben-Sat.1 von München an die Elbe locken. Diese Woche noch will FDP-Fraktionschef Burkhard Müller-Sönsken eine schriftliche Offerte an den neuen Besitzer Haim Saban senden. "Unvorstellbar", heißt es dazu in München.

<P>Der profitable Fernsehkonzern, Überrest der Ruinen des Kirch-Imperiums, beschäftigt in München tausende Mitarbeiter. "Wir werden Saban ein konkretes, ernsthaftes Angebot unterbreiten", sagte Müller-Sönsken dem "Focus". Hamburg habe liberale Mediengesetze. Auch werde man hervorragende Immobilien in der neuen Hafen-City bieten. Saban könne stadteigene Grundstücke günstig mieten oder kaufen.<BR><BR>Zurzeit stehen in der Hansestadt laut einer Studie 730 000 Quadratmeter Büros leer - doppelt so viele wie vor einem Jahr. Die Mieten brachen um bis zu ein Drittel weg. Ein Mieter Saban mit den Sendern Pro 7, Sat 1, Kabel 1 und N 24 wäre ein dicker Fisch im Hamburger Hafen.<BR><BR>Bayern will Kirch nicht ziehen lassen. Das Angebot sei "komisch und weltfremd", sagte Staatskanzlei-Chef Erwin Huber unserer Zeitung. Er hatte Saban in den vergangenen Wochen dreimal vertraulich getroffen, die Begrüßung beim dritten Besuch soll schon "herzlich" gewesen sein, berichten Teilnehmer. "Saban hat uns sein Wort gegeben, dass er in München bleibt", sagt Huber. Ein Wegzug vom "Medienstandort Nr. 1" koste "viel Geld für nix und wieder nix". Aus Hamburg seien die elektronischen Medien in den vergangenen Jahren fast alle geflohen.<BR><BR>"Dass die von der Münchner Sonne in den Hamburger Nebel ziehen, halte ich für unvorstellbar."<BR>Bayerns Staatskanzleichef Erwin Huber</P><P>Das von Müller-Sönsken gepriesene liberalere Landesmedienrecht spiele für bundesweite Sender eine untergeordnete Rolle: "Es gibt überhaupt keinen Punkt, der für Hamburg als Standort des Konzerns spricht", so Huber.<BR><BR>Dass der Hamburger Senat mit billigen Immobilien lockt, hält er für kritisch: "Es darf in diesen Dingen keinen Subventionswettlauf geben", sagte er unserer Zeitung. Bayern habe Saban keinen einzigen Euro versprochen. Die Kirch-Gruppe war von der halbstaatlichen Landesbank noch mit Milliarden-Krediten unterstützt worden.<BR><BR>Für den zum Verkauf stehenden Filmfundus von Kirch-Media wird Saban übrigens laut Focus nicht mitbieten. Nachdem sich Pro-Sieben-Sat.1 im Juni zum Vorzugspreis für zehn Jahre bereits die lukrativsten 2500 Rechte habe aussuchen dürfen, sei der Wert des einst legendären Filmlagers einer internen Bewertung zufolge auf 175 bis 200 Millionen Euro weiter gesunken.<BR></P>

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