Das Handbuch für gute Manager

- München - In Deutschland gibt es für Vieles Richtlinien - auch dafür, wie ein Unternehmen verantwortungsvoll geführt wird. Das Handbuch für gute Manager heißt "Deutscher Corporate Governance Kodex" und enthält 72 Empfehlungen, die Unternehmen beherzigen sollten, damit ihnen Investoren vertrauen. Das funktioniert weitestgehend. "Nur dort, wo es ums Geld geht, hapert es", beklagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) - zum Beispiel beim Offenlegen der Vorstandsgehälter.

<P>Vor zwei Jahren, als Wirtschaftsflaute, Miss-Management und Betrugs-Skandale Aktionäre verschreckten, setzte das Bundesjustizministerium eine Regierungskommission ein, die mehr Offenheit in die Unternehmen bringen sollte. Unter dem Vorsitz von Gerhard Cromme, Aufsichtsrats-Chef von Thyssen-Krupp, wurde der "Corporate Governance Kodex" verabschiedet, der sich vor allem an börsennotierte Unternehmen richtet. Die größten unter ihnen, die 30 Dax-Firmen, befolgen heute im Schnitt 95 Prozent der Regeln, sagt Cromme. Er sieht darin ein "ermutigendes Ergebnis". Auch Kurz erkennt eine "positive Entwicklung", wären nicht die restlichen fünf Prozent.<BR><BR>Vorstände haben eine Haftpflichtversicherung, die sie vor Schadensersatzforderungen bei Management-Fehlern schützt. Der Kodex empfiehlt einen "angemessenen Selbstbehalt", mit dem die Bosse im Schadensfall in die Pflicht genommen werden - wie der Autofahrer bei der Kasko. "Fast alle Unternehmen verzichten aber auf diesen Selbstbehalt", bemängelt Kurz.<BR><BR>Das zweite Reizthema ist die Aufschlüsselung der Bezüge jedes einzelnen Vorstandsmitglieds. "Die Gehälter sollen erfolgsorientiert sein. Ob das so ist, kann der Anleger aber nur überprüfen, wenn er sieht, wie viel jeder verdient", erklärt Kurz. Und das ist den meisten Chefs unangenehm. Neun der 30 Dax-Firmen halten sich an die Vorgabe (siehe Kasten), zwei weitere (Commerzbank, Schering) weisen die Bezüge des Vorstandsvorsitzenden eigens aus. Die anderen 19 - unter ihnen alle sieben Münchner Konzerne - geben nur Auskunft über die Gesamtbezüge des Führungsgremiums. "Der Aktionär soll einen Einblick erhalten, wie viel das Unternehmen dem Vorstand insgesamt zahlt, also welche finanzielle Belastung entsteht. Ein einzelner Ausweis der Vorstandsbezüge bringt keinen Informationsgewinn für den Anleger", argumentiert etwa eine Sprecherin der Allianz. Außerdem habe die Erfahrung im Ausland gezeigt, dass die Gehälter nach der Offenlegung "nach oben angeglichen" würden. Auch Siemens weist die Gehälter nicht einzeln aus. Vorstands-Chef Heinrich von Pierer gab aber schon bei einem Vortrag vor Studenten einen Einblick in das Gehaltsgefüge: In der Regel verdiene der Vorsitzende das 1,5-Fache des Vorstands-Durchschnitts. Demnach dürfte er im vergangenen Jahr etwa auf 3,6 Millionen Euro gekommen sein.<BR><BR>Bald wird man das wohl genau wissen. Während heute Fachleute aus Unternehmen und Politik in Berlin über die Akzeptanz der "Corporate Governance" diskutieren, wird Bundesjustizministerin Brigitte Zypries morgen in einem Beitrag für das Magazin "Cicero" strengere Regeln fordern. Wenn die Chefs nicht selbst offener würden, sei "der Gesetzgeber in der Pflicht". Jürgen Kurz gibt den Vorständen noch ein Jahr, bevor aus dem Kodex ein Gesetz werde. Dann ist Offenheit Pflicht.<BR><BR></P><P> </P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Preise für Vanille deutlich gestiegen
Echte Vanille ist ein begehrter Rohstoff. Vor allem die Lebensmittelindustrie, aber auch Eisdielen müssen derzeit beim Einkauf deutlich mehr dafür bezahlen. Die Vanille …
Preise für Vanille deutlich gestiegen
Auch General Motors wegen Abgas-Vorwürfen verklagt
Die Autoindustrie droht noch tiefer im Abgas-Sumpf zu versinken. Nur wenige Tage nach Razzien bei Daimler und einer Klage der US-Regierung gegen Fiat Chrysler eröffnen …
Auch General Motors wegen Abgas-Vorwürfen verklagt
US-Wirtschaftsminister Ende Juni in Deutschland
Wirtschaftspolitisch hat es schon mächtig geknirscht zwischen Europa und der neuen US-Regierung. Die Deutschen wollen die Wogen glätten - nach der Kanzlerin war jetzt …
US-Wirtschaftsminister Ende Juni in Deutschland
Öl-Allianz ist sich einig: Förderlimit wird verlängert
Opec- und Nicht-Opec-Staaten rücken im Ringen um einen höheren Ölpreis immer näher zusammen. Doch das Signal einer Verlängerung des Förderlimits ist am Markt zunächst …
Öl-Allianz ist sich einig: Förderlimit wird verlängert

Kommentare