SOS: Angesichts der Corona-Pandemie grassiert bei vielen Händlern inzwischen die nackte Existenzangst.
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SOS: Angesichts der Corona-Pandemie grassiert bei vielen Händlern inzwischen die nackte Existenzangst.

Vor dem nächsten Wirtschaftsgipfel

Handel warnt eindringlich vor neuem Lockdown: „Werden viele nicht verkraften“

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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In Berlin nimmt die Diskussion um einen weiteren, harten Lockdown Fahrt auf. Doch im Handel sorgt die Aussicht auf neuerliche Schließungen für blankes Entsetzen.

München – Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Stefan Genth, drängt im Vorfeld des nächsten Wirtschaftsgipfels vehement auf eine Lockerung der EU-Obergrenzen für angeschlagene Unternehmen. Schon heute betrage der coronabedingte Schaden bei großen Handelsketten „bis zu 250 Millionen Euro“. Aufgrund Beihilfe-rechtlicher Vorgaben der EU könnten diese Unternehmen aber bislang Wirtschaftshilfen von maximal zehn Millionen Euro erhalten.

Es sei daher unverständlich, weshalb die Höhe der Hilfszahlungen weiterhin gedeckelt sei. Viele größere Handelsketten würden so „unweigerlich in die Insolvenz getrieben“, warnte Genth in einem Interview gegenüber Merkur.de. Die europäische Obergrenze müsse daher „dringend flexibler werden oder ganz entfallen“, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer im Vorfeld des nächsten Wirtschaftsgipfels mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und rund 40 Verbänden am Donnerstag (8. April).

Corona: Handelsverband fordert Korrektur der Überbrückungshilfe III

Mit Blick auf die geplante Erweiterung der Überbrückungshilfe III forderte Genth zudem die Auszahlung eines Unternehmerlohns zu ermöglichen. Viele Unternehmer könnten ihre Lebenshaltungskosten inzwischen nicht mehr decken. Ihnen drohten damit Armut und der Gang zum Sozialamt. 

Handelsverband warnt eindringlich vor hartem Corona-Lockdown

Zugleich sprach Genth sich eindringlich gegen ein erneutes Herunterfahren des öffentlichen Lebens aus. Erst am Montag hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mit einem Vorstoß für einen „Brücken-Lockdown“ für Aufsehen gesorgt. Dem Vorschlag trat Genth nachdrücklich entgegen. Nach einem Jahr Corona sei das Eigenkapital bei vielen Händlern inzwischen aufgebraucht, sagte der HDE-Mann. Neuerliche Zwangsschließungen seien daher für viele Unternehmen „nicht mehr zu verkraften“.

Alleine in der vergangenen Woche hätten die Erlöse der geschlossenen Geschäfte „annähernd 70 Prozent“ unter Vorkrisenniveau gelegen. Selbst dort, wo begrenzte Öffnungen möglich gewesen seien, liege der Umsatzverlust „oft bei 30 bis 40 Prozent“. Damit lasse sich nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, sagte Genth.

Angesichts des Existenz-Kampfs vieler Unternehmen sieht der Handelsverband jetzt auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier in der Pflicht. Man werde beim Wirtschaftsgipfel noch einmal „in aller Deutlichkeit auf die in vielen Teilen des Handels dramatische Lage hinweisen und den Minister auf die Knackpunkte aufmerksam machen“, kündigte Genth an. Der Einzelhandel brauche jetzt „einen starken Wirtschaftsminister“, der der Stimme der Unternehmen im Vorfeld des nächsten Corona-Gipfels Nachdruck verleihe.

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