Im Handel steht Arbeitskampf bevor

München - Im bayerischen Einzelhandel stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Nachdem die Tarifverhandlungen für die Branche bundesweit festgefahren sind, mobilisiert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Beschäftigten. Noch im September könnte es in Bayern zu Streiks kommen.

In vielen Branchen brachten Tarifverhandlungen heuer Lohnzuschläge von über drei Prozent. Die 335 000 Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel können davon nur träumen. Derzeit bieten die Arbeitgeber einen Tarifvertrag, der nach Darstellung der Gewerkschaft Verdi für viele Beschäftigte Lohneinbußen bringen würde. Bundesweit stocken die Verhandlungen.

Die Arbeitgeber verweisen darauf, dass die Lage der Branche "alles andere als rosig" sei, wie der neu gewählte Präsident des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels (LBE), Michael Krines, gestern in München erklärte. Im ersten Halbjahr seien die Umsätze im bayerischen Einzelhandel verglichen mit dem Vorjahr real um 2,2 Prozent gefallen, im Juli habe das Minus 2,0 Prozent betragen. Am Ende des Jahres werde in Bayern "wohl eine schwarze Null stehen", kündigte Krines an. "Die Verbraucher geben ihr Geld derzeit eher für Mobilität, Telekommunikation, Mieten oder Energie statt in unseren Läden aus." Dementsprechend liegt das Tarifangebot der Arbeitgeber weit unter dem anderer Branchen.

Federführend bei den Verhandlungen ist der Bezirk Nordrhein-Westfalen, dessen Abschluss traditionell bundesweit übernommen wird. Die Arbeitgeber bieten ein Lohnplus für 2007 von rund einem Prozent (1,7 Prozent bei fünf Nullmonaten), verlangen dafür aber noch Zugeständnisse der Arbeitnehmer - etwa bei Zuschlägen für Spätschichten. Eine Vollzeit-Verkäuferin mit einem Bruttolohn von rund 2000 Euro würde dadurch pro Monat gut 180 Euro weniger verdienen, rechnet der Verhandlungsführer von Verdi Bayern, Hubert Thiermeyer, vor.

Dies sei eine Milchmädchenrechnung, hält LBE-Tarifgeschäftsführer Martin Aigner dagegen. Nicht jeder Beschäftigte arbeite zu den betroffenen Zeiten. Gerade außerhalb der Großstädte seien viele Geschäfte gar nicht lange genug geöffnet. Er will "in diesen Tagen Kontakt mit Verdi aufnehmen". Doch die Mühe könnte er sich wohl sparen. "Wenn man über das Angebot in Nordrhein-Westfalen nicht hinausgeht, hat es keinen Sinn", lässt Verdi-Mann Thiermeyer wissen. Und das wiederum kann sich Aigner "nicht vorstellen".

So mobilisiert Verdi nun seine Mitglieder. Im September wolle man in den Betrieben über die Lage diskutieren und dann "relativ schnell Arbeitskampfmaßnahmen" auch in Bayern beginnen, kündigt Thiermeyer an.

Er wisse, das Präsidentenamt "in nicht eben einfachen Zeiten zu übernehmen", erklärte LBE-Chef Krines. Dennoch hat er ein großes Projekt im Auge. Der LBE und der Handelsverband BAG steuern die Fusion bis spätestens Ende 2010 an. Gestern unterzeichneten die Präsidenten beider Verbände bereits eine Kooperationsvereinbarung.

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