Handel mit dem Wochenende zufrieden - Doch die Kirche warnt

- Hamburg/Frankfurt/Main - Der Wintereinbruch in weiten Teilen Deutschlands hat dem Handel am ersten verkaufsoffenen Advents- Wochenende einen positiven Auftakt im Weihnachtsgeschäft beschert. Die Einzelhandels-Verbände berichteten von vollen Warenhäusern nicht nur am Samstag.

Auch das Geschäft am Sonntag in den rund 200 Städten, die den Verkauf von 13.00 bis 18.00 Uhr erlaubten, wurde durchweg positiv beurteilt. Dichtes Gedränge herrschte auf den Weihnachtsmärkten. Die Sonntags-Öffnung hatte bei den Kirchen für Missstimmung geführt.

"Grundsätzlich freuen wir uns über kalte Temperaturen und dem entsprechenden Absatz an Winterbekleidung. Wer aber im Verkehrsstau steckt, kommt schlecht in die Geschäfte", schränkte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, angesichts des Schneechaos beispielsweise im Münsterland ein.

"Der erste Knüller ist das winterliche Wetter, der zweite die Eröffnung der meisten Weihnachtsmärkte", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Kaufleute Sachsen-Anhalts, Gero Hildebrandt. "Einen Grund für Jubelarien gibt es aber trotzdem nicht", sagte der Sprecher des bayerischen Verbandes, Bernd Ohlmann. Er fügte hinzu, wenn aber einmal eine Kaufentscheidung getroffen sei, dann werde bei den Weihnachtsgeschenken nicht gegeizt. Das kalte Wetter fördere zudem die Kauflust für Winterbekleidung und Wintersportartikel: "Der Dauerfrost macht den Händlern warm ums Herz." Bei Galeria Kaufhof in der Düsseldorfer Königsallee hieß es: "Der verkaufsoffene Sonntag ist prima angelaufen. Einfach exzellent."

Auf dem Gabentisch wird sich nach Einschätzung des Handels neben Kleidung wiederum das gesamt Sortiment der Unterhaltungs- und Heimelektronik finden. Dazu gehören Handys und Computerzubehör ebenso wie MP3-Player oder Plasmabildschirme. Zahlen über den Umsatz will der HDE auf gesicherter Grundlage am Montag bekannt geben. Im vergangenen Jahr setzte die Branche im November und Dezember 68,1 Milliarden Euro um - dies war der dritte Rückgang in Folge. Sorgen bereitet dem Fachverband der schwelende Tarifkonflikt in der Branche. Er warnte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, das Weihnachtsgeschäft durch Warnstreiks zu gefährden.

Im Streit um die Öffnung der Geschäfte am Sonntag sagten in Frankfurt die Kirchen das traditionelle Große Stadtgeläut - das Läuten sämtlicher Kirchenglocken - am Vorabend des 1. Advent ab. Allein die katholische Liebfrauenkirche läutete in der Innenstadt den Advent ein. HDE-Sprecher Pellengahr versicherte, das Öffnen der Geschäfte sei keine Aktion gegen die Kirchen. Jeder habe in Ruhe zum Gottesdienst gehen und danach ab 13.00 Uhr in Ruhe einkaufen gehen können. Der Handel nutzte hier eine Bestimmung, nach der Geschäfte vier Mal im Jahr an Sonntagen öffnen dürfen, dies aber grundsätzlich nicht im Monat Dezember. Der 1. Advent fiel diesmal jedoch auf den letzte November-Sonntag.

Fast die Hälfte der Deutschen will laut einer Umfrage im Auftrag der Dresdner Bank in diesem Jahr mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Gleichzeitig müssen gut 40 Prozent der Bundesbürger den Weihnachtsgürtel enger schnallen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte 1300 Bundesbürger, teilte das Geldinstitut am Sonntag in Frankfurt mit.

Besonders konsumfreudig sind danach junge Menschen: 57,3 Prozent der unter 24-Jährigen lassen sich die Geschenke mehr kosten als im vergangenen Jahr. 31 Prozent der Befragten - und damit die größte Gruppe - wollen 200 bis 500 Euro für Weihnachtsgeschenk ausgeben. Mehr als 500 Euro gibt das Budget von elf Prozent der Befragten her.

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