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Die Zukunft vieler Arbeitsplätze bei der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ist ungewiss. Foto: Ina Fassbender

Zerschlagung droht

Kaiser's Tengelmann vor Zerschlagung

Bange Stunden für Tausende Beschäftigte bei Kaiser's Tengelmann: Was wird aus ihren Arbeitsplätzen, falls die Supermarktkette zerschlagen wird? Können die Jobs trotzdem gesichert werden oder steht ein Großteil der Mitarbeiter auf der Straße?

Düsseldorf (dpa) - Die Zeichen für die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann stehen auf Zerschlagung - der Komplettverkauf an Marktführer Edeka scheint immer unwahrscheinlicher.

Rewe-Chef Alain Caparros, der das Geschäft vor Gericht hatte stoppen lassen, warb am Donnerstag noch einmal für eine Aufteilung der über 400 Standorte unter den Wettbewerbern. Die Arbeitsplätze könnten trotzdem erhalten werden, und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären vom Tisch.

Am Donnerstagabend trafen sich die Chefs der Handelsketten Edeka, Tengelmann und Rewe mit Vertretern der Gewerkschaft, um über die Zukunft der Kette mit über 15 000 Arbeitsplätzen zu beraten. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Beobachter rechneten damit, dass sich das an einem geheim gehaltenen Ort stattfindende Treffen bis in die Nacht hinziehen könnte.

"Wir können die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern, indem wir gemeinsam den Weg freimachen für eine faire Aufteilung der Märkte", betonte Caparros wenige Stunden vor dem Krisengipfel. Auch andere Konzerne wie Tegut oder Norma äußerten erneut Interesse an Kaiser's-Filialen. "Eine Übernahme der Tengelmann-Filialen im Raum München ist für Tegut eine Option, die wir ernsthaft prüfen würden", sagte eine Tegut-Sprecherin der "Wirtschaftswoche".

Er sei bereit, für alle von Rewe übernommenen Märkte die in der Ministererlaubnis formulierten Auflagen zur Sicherung der Arbeitsplätze, zur betrieblichen Mitbestimmung und tarifvertraglichen Bezahlung der Beschäftigen zu akzeptieren, betonte der Rewe-Chef. "Eine solche Lösung kann innerhalb weniger Wochen realisiert werden, weil die wettbewerbsrechtlich machbaren Lösungen bereits Anfang des Jahres vom Bundeskartellamt geprüft wurden."

Der Betriebsrat von Kaiser’s Tengelmann fordert hingegen den Erhalt der hoch defizitären Supermarktkette. "Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt", sagte Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern, der "Wirtschaftswoche". Für die schwierige Situation des Unternehmens macht Schick auch Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verantwortlich: "Klar trägt der Eigentümer Verantwortung für die Lage."

Branchenprimus Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte. Unter anderem Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen.

Sollte keine Lösung gefunden werden, könnte bereits am Freitag bei einer Sitzung des Tengelmann-Aufsichtsrats die Zerschlagung des Unternehmens mit über 15 000 Arbeitsplätzen beschlossen werden.

Der Rewe-Betriebsrat verteidigte das Vorgehen des Kölner Handelskonzerns. "Wir bei Rewe haben sehr viel Verständnis für die schwierige Lage, in der sich die Kolleginnen und Kollegen bei Kaiser's Tengelmann befinden. Aber auch bei unseren Rewe-Mitarbeitern - vor allem in Berlin und in Bayern - gibt es große Sorgen über die Sicherheit der Arbeitsplätze", teilte Gesamtbetriebsratschef Andreas Ratzmann mit. Edeka würde nach einer Fusion mit Kaiser's Tengelmann eine absolut marktbeherrschende Position erreichen. "Dies wäre tatsächlich ein schwerer Schaden für uns", betonte Ratzmann.

Haub hat wegen des langen Tauziehens um die Übernahme mit einem Aus für Kaiser's Tengelmann gedroht. Die Kette verbucht hohe Verluste, Personal geht von Bord, Vermieter verlängern Verträge nicht.

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