Handwerk: Abschwung trotz Sommerhoch

- München - Obwohl sich die Stimmung in den Betrieben laut einer Umfrage verbessert hat, rechnet die Handwerkskammer für München und Oberbayern im laufenden Jahr mit insgesamt sinkenden Erlösen und weiterem Stellenabbau. "Es ist keine Stabilisierung der Umsätze zu erwarten", sagt der Präsident des Kammerbezirks, Heinrich Traublinger. Von den regional rund 290 000 Beschäftigten würden voraussichtlich 3000 ihren Job verlieren.

Traublinger begründet diese Prognose vor allem mit der anhaltenden Nachfrageschwäche im Inland sowie der Änderung der Handwerksordnung und der EU-Osterweiterung. Seitdem für 53 Handwerksberufe der Meisterzwang abgeschafft wurde, nimmt die Zahl der in diesen zulassungsfreien Gewerken neu gegründeten Firmen sprunghaft zu. In Oberbayern verdoppelte sie sich vom 1. Mai 2004 bis 30. Juni 2005 annähernd auf 63 815. Dabei hatte gerade München wegen der vergleichsweise guten Auftragslage einen hohen Zuwachs zu verzeichnen.

"Für die angestammten Betriebe ist das eine fatale Situation", sagt Traublinger. "Ihre Wettbewerbslage hat sich extrem verschärft." Da Osteuropäer den Großteil der Gründer stellen, beklagen viele der angestammten Handwerker einen zunehmenden Preiswettbewerb. In einer Sonderumfrage der Kammer zur EU-Erweiterung hatte kürzlich ein Drittel der teilnehmenden Betriebe angegeben, massive Auftragseinbußen erlitten zu haben; jeder fünfte habe zudem Mitarbeiter entlassen. Gestern warnte auch der hiesige Bezirksverband der Gewerkschaft IG Bau in einer Mitteilung: "Billigfirmen bedrohen Handwerksbetriebe in Oberbayern."

Dennoch findet bei den Unternehmen derzeit auch Optimismus Platz. In einer Konjunkturumfrage unter 1300 oberbayerischen Betrieben, die Ende Juni durchgeführt worden war, hatten 62 Prozent angegeben, ihre Lage sei gut oder befriedigend. Drei Monate zuvor hatte sich nur rund die Hälfte so geäußert. "Freilich hat vor allem das gute Wetter im Frühling insbesondere beim Bau zur besseren Stimmung beigetragen", sagt Kammer-Präsident Traublinger.

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