Im Handwerk gibt es immer weniger Pleiten

- Berlin -­ Das Handwerk profitiert vom Aufschwung, während die Zahl der Verbraucherinsolvenzen auf Rekordhöhe steigt. Zu diesen Ergebnissen kommt die Herbstumfrage des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Bis Jahresende werden demnach voraussichtlich 30 500 Firmen zahlungsunfähig geworden sein ­ 17 Prozent weniger als 2005. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen wird bis dahin vermutlich um 45 Prozent steigen: auf rund 100 000 Verfahren.

Das Handwerk verbucht laut Umfrage zum Jahreswechsel höchstens 4200 insolvente Betriebe ­ 300 weniger als vergangenes Jahr. "Die Stimmung ist so gut wie seit Jahren nicht mehr", sagt ZDH-Präsident Otto Kenzler. Dafür verantwortlich sei eine hervorragende Auftragslage. Hauptproblem für die Firmen bleibt die schlechte Zahlungsmoral der Kunden. Zu 66 Prozent verursachen verspätete Zahlungen die Pleiten. BDIU-Präsident Stephan Jender mahnt deshalb ein professionelles Forderungsmanagement an. Insbesondere kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern reagierten oft zu zögerlich. Als Branche leidet besonders das Baugewerbe: 70 Prozent der Betriebe beklagten das Zahlungsverhalten der Kunden. Die öffentliche Hand verhält sich laut Jender nach wie vor "nicht beispielgebend": Oft begleicht die staatliche Verwaltung erst nach zwei bis drei Monaten ihren Rechnungen.

Arbeitslosigkeit, Überschuldung und mangelnde finanzielle Allgemeinbildung sind laut BDIU die wichtigsten Ursachen der Konsumentenpleiten. Jender forderte, Schuldenprävention bereits in der Schule zu vermitteln. Der Inkasso-Präsident kritisierte das gültige Verbraucher-Insolvenzverfahren: "Die Gläubiger gehen fast immer leer aus." Die von der Bundesregierung vorgestellten Eckpunkte zu einem vereinfachten Entschuldungsverfahren begrüßt der BDIU.

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