Handwerk prangert Missbrauch der Ein-Euro-Jobs an

- München - Das deutsche Handwerk sieht die neuen Ein-EuroJobs zunehmend als Bedrohung an. "Sie schaffen mehr Schaden, als sie nutzen", sagte Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, am Freitag in München. Die Ein-Euro-Jobs würden immer öfter missbräuchlich im handwerklichen Bereich angewendet. Als Beispiel nannte er die Sanierung öffentlicher Gebäude durch arbeitslose Handwerker.

"Es kann nicht hingenommen werden, dass kommunale Infrastrukturaufgaben jetzt irreführend als gemeinnützig bezeichnet werden, nur um sie über Ein-Euro-Jobs billiger ausführen zu können." Da legale Arbeitsplätze massiv gefährdet seien, müsse über eine Abschaffung des neuen Instruments nachgedacht werden.<BR><BR>Mittelfristig forderte Schleyer, die Förderung des so genannten zweiten Arbeitsmarktes Schritt für Schritt komplett abzuschaffen. "Die so frei werdenden Milliardenbeträge müssen zur sofortigen Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung verwendet werden."<BR><BR>Das Handwerk sprach sich im Vorfeld der 57. Internationalen Handwerksmesse I.H.M. (10. bis 16. März) generell für eine Beschleunigung des Reformprozesses aus. "Die Bundesregierung hat zwar viele Reformen angepackt, aber jedermann weiß doch, dass sie nicht ausreichen", sagte Schleyer. Die Rekord-Arbeitslosigkeit zeige, wie groß der Handlungsbedarf sei. Es sei zu hoffen, dass es sich bei dem Briefwechsel zwischen Regierung und Opposition über eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit um keine taktischen Spielchen handle.<BR><BR>Notwendig für mehr Wachstum seien steuerliche Entlastungen, sagte Schleyer. Das Handwerk hatte der Bundesregierung unter anderem vorgeschlagen, nicht entnommene Gewinne in Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften bis zu 100 000 Euro jährlich steuerfrei zu stellen, wenn sie investiert werden. "Damit werden alle kleinen und mittleren Unternehmen im Lande unterstützt, deren Eigenkapitalbasis derzeit weiter schrumpft, deren Gewinne implodieren und die seit Jahren überdurchschnittliche viele Insolvenzen und Betriebsschließungen mit hohen Arbeitsplatzverlusten melden."<BR><BR>Auf der I.H.M. zeigen in diesem Jahr 1540 Aussteller aus 34 Ländern die neuesten Produkte und Dienstleistungen. Ein Schwerpunkt der Messe ist in diesem Jahr die Metallbe- und -verarbeitung.

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