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Handwerk wirbt um junge Flüchtlinge

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München – Es ist kein einfaches Erbe, das Georg Schlagbauer antritt. Seit gut drei Wochen ist er neuer Präsident der Handwerkskammer (HWK) für München und Oberbayern.

Die Fußstapfen seines Vorgängers Heinrich Traublinger, der 20 Jahre lang das Gesicht des bayerischen Handwerks war, sind groß. Der Metzgermeister aus München nimmt es gelassen. „Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren“, sagt er. Ein Zitat von Wilhelm Busch. Der 42-Jährige will neue Akzente setzen – sechs Schwerpunkte stehen auf seiner Liste: vom Erhalt des Meistervorbehalts über Bürokratieabbau, Gewerbeflächenpolitik und die Stärkung des Wirtschaftsverkehrs bis zur Nachwuchsförderung.

Bei seinem ersten offiziellen Auftritt als Handwerkskammerpräsident steckt Schlagbauer seine Ziele ab. Von Nervosität keine Spur – schließlich hat er jede Menge Übung darin, seinen Standpunkt klar zu machen. Seit 2008 sitzt der 42-Jährige für die CSU im Stadtrat, seit 2011 ist er Landesinnungsmeister des bayerischen Fleischerhandwerks – also Bayerns oberster Metzger. Jetzt spricht er für Deutschlands größte Handwerkskammer – 78 000 Mitgliedsbetriebe mit knapp 300 000 Beschäftigten.

Eines der größten Probleme im bayerischen Handwerk ist der Nachwuchsmangel. Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk. Bis Ende Juli wurden in München und Oberbayern 4634 neue Lehrverträge abgeschlossen – ein Minus von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele Betriebe konnten ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen – und die Zahl der Lehrlinge sinkt seit Jahren. „Obwohl wir die Gründe schon länger kenne, verschärft sich die Situation zunehmend“, sagt Schlagbauer. Die Zahl der Schulabgänger in Bayern sinkt, dazu kommt, dass der Zuzug von Lehrlingen aus anderen Bundesländern wegbricht. Grund dafür sind unter anderem die steigenden Mieten in der Region. Hier will Schlagbauer im Gespräch mit der Stadt München, Lösungen finden. Durch den Bau von Lehrlingswohnheimen könnte zum Beispiel günstiger Wohnraum geschaffen werden. Außerdem müsse weiterhin viel Überzeugungsarbeit bei Eltern, Lehrern und in den Arbeitsagenturen geleistet werden, so Schlagbauer. Viele wissen nicht: Auch mit einem Meister kann man mittlerweile an der Hochschule studieren.

Auch bei neuen Zielgruppen will Schlagbauer für die Ausbildung im Handwerk werben. Nachdem bereits seit einigen Jahren ein Mitarbeiter der Kammer explizit auf Jugendliche mit Migrationshintergrund zugeht, rücken nun auch Flüchtlinge in den Fokus. Seite einigen Tagen gibt es bei der Handwerkskammer einen sogenannten Akquisiteur für Flüchtlinge. Er soll junge Flüchtlinge in eine Ausbildung im oberbayerischen Handwerk vermitteln. Die Flüchtlinge besuchen in großen Städten wie München, Rosenheim oder Ingolstadt in der Regeln gesammelt die Berufsschule. Dort geht es im ersten Jahr vor allem darum, die deutsche Sprache zu lernen und die Kultur kennenzulernen. Im zweiten Berufsschuljahr geht es an die Berufsorientierung – hier soll der Aquisiteur die Jugendlichen künftig ansprechen und von einer Ausbildung im Handwerk überzeugen.

Auch Jugendliche mit Startschwierigkeiten aufgrund von schlechten Noten will das Handwerk für sich gewinnen. Entsprechende Programme der HWK sollen ausgeweitet werden. „Auch diesen jungen Menschen geben wir eine Chance“, sagt Schlagbauer. Geht sein Konzept auf, profitieren beide Seiten. Berufliche Zukunft für die Jugend, weniger Nachwuchssorgen für die Handwerker.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa

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