Handwerker: Wie man die Kosten im Rahmen hält

München - Gute Handwerker sind schwer zu finden. Selbst wenn ein Handwerker seine Arbeit ordentlich gemacht hat, gibt es hin und wieder Streit bei der Abrechnung. Hier einige Tipps, wie man einen guten Handwerker findet und was man machen kann, wenn etwas schief läuft.

Gerade am Wochenende finden sich in Zeitungen viele Kleinanzeigen, in denen Handwerker ihre Dienste anbieten. Doch da sei Vorsicht geboten, warnt Rudolf Baier, Sprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Auf den ersten Blick könne man oft nicht erkennen, ob es sich um einen Handwerksbetrieb oder einen Schwarzarbeiter handelt. Und von Letzterem "kriegen sie keinerlei Regressgeschichten, wenn was ist", sagt er. Auch Internetauktionen für Handwerks-Aufträge wie unter www.my-hammer.de hält er - im Gegensatz zu vielen Verbrauchern, die sich so viel Geld sparen - für schwierig. "Aufträge sind sehr genau zu formulieren", rät er. "Ich persönlich lasse die Finger davon, weil ich den Handwerker schon selber beauftragen möchte."

Sicher gehe man, indem man einen Innungsbetrieb wählt. "Wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt, hat man dann über die Innung einen Ansprechpartner." Am besten man rufe einfach die entsprechende Innung an.

Wenn ein Betrieb zwar nicht Mitglied der Innung ist, aber eine Handwerkskarte hat, also in die Handwerksrolle bei der Handwerkskammer eingetragen ist, "kann man davon ausgehen, dass er in Ordnung ist".

Mehrere Angebote einholen

Wichtig ist, immer mehrere Angebote einzuholen. "Man sollte schon Preisvergleiche anstellen", sagt Baier. Wobei man nicht nur auf den Preis achten sollte. Nicht der billigste, sondern der günstigste Anbieter sei interessant. Wenn der billigste Anbieter aus dem Bayerischen Wald nach Weilheim kommen soll, um ein Haus zu renovieren, ist er nicht so schnell zur Stelle, wenn später Reparaturen anfallen.

Kostenvoranschlag ist ratsam

Baier rät zu einem Kostenvoranschlag. "Wobei man wissen muss, dass der Handwerker dafür Geld verlangen kann." Schließlich koste es ihn unter Umständen einiges an Zeit, ein Angebot auszurechnen. "In der Regel ist er im Preis inbegriffen, wenn der Auftrag erteilt wird." Meist ist er unverbindlich. Bei einer wesentlichen Überschreitung der veranschlagten Kosten - etwa 15 bis 20 Prozent - sei die Firma verpflichtet, den Kunden schon während der Arbeiten zu informieren, erklärt die Stiftung Warentest. So erspart der Kostenvoranschlag dem Kunden eventuell ein böses Erwachen.

Eine weitere unangenehme Überraschung kann dem Kunden drohen, fällt der Reparatur ein Werkzeug zum Opfer. Doch dafür müsse keinesfalls der Kunde bezahlen. Die Stiftung Warentest rät dazu, den Posten einfach von der Rechnung zu streichen.

Viele Betriebe erwarten, dass der Kunde die Rechnung sofort in bar begleicht. "Rechtlich ist das die Grundlage", sagt der Rechtsexperte der Handelskammer, Andreas Wagnitz. Wer die Reparatur aber als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich geltend machen will, ist laut Stiftung Warentest besser dran, wenn er zusätzlich zur Rechnung den Überweisungsbeleg oder den Kontoauszug und nicht nur eine Quittung vorlegen kann.

Vorsicht bei der Abrechnung

Zur Abrechnung gibt es noch mehr zu beachten. Mancher Betrieb rechne eine angefangene halbe Stunde gleich als volle halbe Stunde ab, auch wenn erst wenige Minuten vergangen sind, erklärt die Stiftung Warentest. Diese Praxis habe das Landgericht Düsseldorf für unzulässig erklärt. Eine geringe Aufrundung zum Beispiel auf volle fünf Minuten sei aber in Ordnung.

Oft erscheinen auch die Fahrtkosten auf der Rechnung. Das ist rechtens. Viele setzen dafür einen um etwa zehn Prozent niedrigeren Stundensatz an als für die Arbeitszeit. Doch gesetzlich verpflichtet sind sie dazu nicht, sagt Wagnitz. Wenn der Handwerker zwischenzeitlich zu seiner Werkstatt zurückfahren muss, weil er ein Werkzeug oder Ersatzteil nicht dabeihat, darf er diese Fahrtzeit nicht berechnen. Er sei der Fachmann und müsse wissen, was er mitzubringen habe, so die Stiftung Warentest. Nacht- und Wochenendzuschläge seien hingegen erlaubt, aber nur auf Arbeits- und Wegezeiten, nicht aber auf das verwendete Material. Die Höhe des Aufschlags richtet sich nach der Branche. Üblich seien Werte von 50 bis 70 Prozent.

Wird bei einer Reparatur ein Spezialgerät verwendet und der Einsatz in Rechnung gestellt, sei dagegen nichts einzuwenden, schreibt die Stiftung Warentest. Wenn ein Unternehmen allerdings eine Spezialisierung auf bestimmte Reparaturen angibt, handle es sich auch bei außergewöhnlichen Werkzeugen um normale Ausrüstung.

Was tun, wenn gepfuscht wurde?

Ist der Kunde der Meinung, der Handwerker hat gepfuscht, kann er die Abnahme verweigern und auch die Rechnung erst mal nicht bezahlen. Wenn bereits abgenommen wurde und dann Mängel entdeckt werden, kann der Kunde das dreifache der Mängelbeseitigungskosten einbehalten. Den Rest des Rechnungsbetrages müsse er bezahlen, erklärt Wagnitz. Problem ist nur: "Meistens kann man das als Laie nicht selbst entscheiden." Schlichtungsstellen gibt es bei der Innung, auch die Handwerkskammer vermittelt in solchen Fällen. "Im schlechtesten und teuersten Fall muss es ein Gutachter klären", sagt der Rechtsexperte.

Weitere Informationen hat die Handwerkskammer unter Telefon: 0 89/5 11 90

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