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Das Handwerk würde ebenfalls vom Fahrverbot betroffen sein.

Präsident Peteranderl gibt Zahlen raus

Handwerksverband warnt: „Fahrverbot würde Existenzen bedrohen“

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Das Diesel-Fahrverbot würde nicht nur Privatleute treffen. Präsident der Handwerkskammer, Franz Xaver Peteranderl, warnt, dass auch Handwerksbetriebe massiv betroffen wären.

München – Im oberbayerischen Handwerk läuft es rund. Die Umsätze sind in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen, die Betriebe haben im Schnitt Aufträge für knapp neun Wochen in den Büchern. Manche Firmen – vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe – arbeiten mittlerweile an ihrer Kapazitätsgrenze. Wie eine Umfrage der Handwerkskammer (HWK) für München und Oberbayern zeigt, bewerten sechs von zehn Betrieben in Oberbayern ihre aktuelle Lage als gut, 34 Prozent als befriedigend. „Das ist ein neuer Höchstwert zur Jahresmitte“, erklärte Handwerkskammerpräsident Franz Xaver Peteranderl am Donnerstag in München. Optimistisch sind die Betriebe – und zwar quer durch alle Gewerke – auch, was die Zukunftsaussichten anbelangt. 97 Prozent rechnen auch in den kommenden Monaten mit guten oder zumindest befriedigenden Geschäften.

Besonders gut läuft es derzeit im Bau- und Ausbaugewerbe. „Der anhaltende Bauboom sorgt hier für erhebliche Umsatzzuwächse“, so Peteranderl, der selbst eine Baufirma in Garching bei München betreibt. Die gestiegene Nachfrage hat zu einem dicken Auftragspolster geführt – Aufträge für 11,5 Wochen stehen im Bauhauptgewerbe im Schnitt in den Büchern, für 10,1 Wochen im Ausbaugewerbe. Das führe zum Teil auch zu längeren Wartezeiten für Kunden, so Peteranderl. Zum Teil müsse man mit acht bis zwölf Wochen Vorlauf rechnen. „Bei Notfällen bekommt aber nach wie vor jeder schnelle Hilfe“, bekräftigte Peteranderl.

Preiserhöhungen im Bereich der Inflationsrate

Die große Nachfrage nach Handwerkerleistungen hat in den vergangenen Monaten auch laut Peteranderl zu „länger überfälligen“ Preiserhöhungen geführt. Diese würden allerdings lediglich im Bereich der Inflationsrate liegen – seien also moderat ausgefallen, so der HWK-Präsident. Preiserhöhungen im Baubereich seien zuletzt viel mehr auf höhere gesetzliche Anforderungen etwa im Schall- und Brandschutz, die seit Anfang des Jahres gelten, zurückzuführen. „Dadurch wurde das Bauen verteuert“, kritisierte Peteranderl, der sich hier Nachbesserungen wünscht – auch um Wohnraum wieder bezahlbar zu machen.

Sorgen bereitet den Handwerkern im Großraum München aber das drohende Einfahrverbot für Diesel-Fahrzeuge in die Stadt. „Das würde die Existenz vieler unserer Mitgliedsbetriebe auf die Probe stellen“, sagte Peteranderl und forderte Augenmaß bei den Maßnahmen zur Absenkung des Stickoxid-Ausstoßes. Eine Umfrage der Kammer hatte zuletzt ergeben, dass der Diesel für vier von fünf Handwerkern eine zentrale Bedeutung im betrieblichen Alltag spielt. Bei der Einführung eines sofortigen Diesel-Einfahrverbots in die Münchner Umweltzone sehe sich jeder dritte oberbayerische Handwerksbetrieb in seiner Existenz bedroht, so Peteranderl. „Neben Ausnahmeregelungen brauchen unsere Betriebe ausreichend lange Übergangsfristen, damit sie ihre Fahrzeugflotten umstellen können“, forderte er.

Übergangsfristen für Fahrzeugflotten

Es sei ein Zeitraum von mindestens vier Jahren als Übergangsfrist nötig – vorausgesetzt, dass handwerkertaugliche Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in ausreichender Zahl auf dem Markt seien. Bei Fahrzeugen mit 2,8 bis 3,5 Tonnen, die meist von Handwerkern genutzt werden, sei das aber momentan nicht der Fall. „Hier gibt es weder Alternativen, die die Euro-6-Norm bei Dieseln erfüllen, noch geeignete Fahrzeuge mit Elektroantrieb“, so Peteranderl.

Die Verunsicherung in Sachen Dieselfahrzeuge sei mittlerweile auch bei den Kunden des bayerischen Kfz-Gewerbes spürbar. Nur noch 16 Prozent der Kunden, die einen Autokauf planen, würden sich derzeit für einen Diesel interessieren. 25 Prozent würden die Anschaffung eines neuen Autos hinauszögern, bis Klarheit herrsche. „Das zeigt: Wir brauchen eine pragmatische Lösung, die hilft, die NOx-Grenzwerte einzuhalten, ohne dass die bayerischen Städte zu dieselfreien Zonen werden“, forderte Peteranderl. In der Pflicht sei hier neben der Politik vor allem die Automobilindustrie, um die Fahrzeuge entsprechend nachzurüsten.

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