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Das Handy bleibt eine Kostenfalle im Urlaub. Bisher gibt es nur innerhalb der EU höchstgrenzen für SMS und Telefonate.

Handy bleibt Kostenfalle

Seit Juli sind Handy-Grüße aus dem Urlaub innerhalb der EU billiger geworden. Doch die Zeit horrender Rechnungen ist damit nicht vorbei. Nicht nur Telefonate und SMS treiben die Rechnung hoch.

Reisende müssen nach wie vor mächtig auf der Hut sein, wenn sie ihr Mobiltelefon im Ausland nutzen – vor allem außerhalb der EU. Wer in die Türkei, nach Ägypten, Tunesien, Kroatien oder in die Schweiz fährt, kann sich nicht auf gedeckelte Preisgrenzen verlassen. Das Abrufen von Daten, also etwa Surfen und E-Mails-Abrufen, wird überall ganz schnell zur Kostenfalle – speziell mit modernen Handys, die sich automatisch ins Internet einwählen und so unbemerkt riesige Kosten produzieren können.

Erst ab März 2010 wird es einen Schutz vor astronomischen Datenroaming-Gebühren geben, zumindest EU-weit. „Handy-Rechnungen von 1300 Euro und mehr sind nach wie vor ein ganz großes Ärgernis“, warnt Peter Knaak, Telekommunikationsexperte der Stiftung Warentest. Er meint: Diese Urlaubssaison dürfte noch jede Menge böser Überraschungen für ahnungslose Handy-Nutzer bereithalten. Vor allem in der Türkei oder Russland könne es „höllisch teuer“ werden.

Urlauber sollten wissen: Nur in den 27 Mitgliedstaaten der EU sind die Tarife seit 1. Juli gedeckelt. Überall sonst in der Welt kann es empfindlich teurer sein. Wer EU-weit Kurznachrichten verschickt, muss pro SMS nur noch maximal 11 Cent zahlen (ohne Mehrwertsteuer). Ein Telefonat darf nur noch bis zu 43 Cent pro Minute kosten, eingehende Anrufe höchstens 0,19 Cent. Fürs Internetsurfen, E-Mails-Abrufen oder Herunterladen von Fotos und Filmen werden pro übertragenem Megabyte maximal 1 Euro berechnet.

Bis zu 1000 Euro für das Internet am Pool

Trotz neuer Preisobergrenzen kann die Nutzung aber auch in der EU mächtig ins Geld gehen, mahnt Bernd Krieger vom Europäischen Verbraucherzentrum zur Vorsicht. Was die Rechnung in die Höhe treibt, sind meist nicht Telefonate und SMS. Zum teuersten Vergnügen wird oft das Abrufen von E-Mails, Bildern sowie Surfen per Handy, warnt der Fachmann: „Das kann jetzt immer noch bis zu 1000 Euro kosten, wenn man sich am Pool größere Datenmengen aufs Handy herunterlädt.“

Schon das Aufrufen der Startseite eines Anbieters für Fußballergebnisse oder Nachrichten kann einen Euro kosten. Außerdem gilt es zu bedenken: Flatrates und Discount-Gebühren greifen nur zu Hause, nirgendwo sonst. „Gefährlich kostspielig“ sei das grenzüberschreitende Datenabrufen außerhalb der EU, weiß Knaak aus Erfahrung. „Und der deutsche Netzbetreiber verdient dabei immer schön mit.“ Aufgepasst: Kurz mal ins Internet gehen oder seine Geschäfts-Mails laden, kann mit 19 Euro pro übertragenem Megabyte zu Buche schlagen.

Dazu kommt: Moderne UMTS-fähige Handys sind so eingestellt, dass sie sich auch im Ausland automatisch ins Internet einwählen können, wie Marc Kessler vom Online-Ratgeberportal Teltarif berichtet. Wer beispielsweise zu Hause sein Handy so eingerichtet hat, dass es alle 5 Minuten die neusten E-Mails anzeigt, wird das auch im Urlaub erleben. „Dieses Problem stellt sich nicht zuletzt auch Urlaubern, die ein Laptop dabeihaben, das automatisch Updates lädt.“

Automatikfunktion ausschalten

Wie können sich Urlauber schützen? Wer ein modernes Handy besitzt, sollte es vor der Abreise grundsätzlich so einstellen, dass es nicht mehr automatisch ins Internet geht, so Kesslers Rat. Technische Laien sollten sich Hilfe holen. „Geht in den Laden und klärt das“, empfiehlt auch Verbraucherschützer Knaak.

Außerdem sollten Handynutzer vor der Abreise in Nicht-EU-Länder bei ihrem Mobilfunkanbieter die günstigsten Tarife im Urlaubsland erfragen. Und prüfen, ob sich manuell eingeben lässt, dass sich das Gerät bei Grenzübertritt gezielt in das billigste Auslandsnetz einbucht. Wer die Umstellung daheim vergisst, kann sie am Urlaubsort nicht mehr nachholen. Allerdings sei es immer mehr üblich, dass sich das Handy in der Fremde gezielt ins stärkste Funknetz einbucht, sagt Knaak.

Erst ab März 2010 gibt es einen gesetzlichen Schutz vor hohen Rechnungen im Ausland – allerdings auch nur EU-weit. Bis dahin sollen Kunden eine Stopp-Funktion wählen können. Bei einem Betrag von beispielsweise 50 Euro wird dann der Datentransfer automatisch abgebrochen. Erst ab Juli 2010 wird das Standard-Limit von 59,50 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) für alle eingeführt.

Von Berrit Gräber

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