Das Handy, das Glockenspiel und Makrelen erkennt

Wolfratshausen - Grundschüler, die nicht wissen, wie ein Vogel heißt, dem sie in freier Natur begegnen, können sich vielleicht demnächst selbst helfen - mit ihrem Handy: Denn das Software-Unternehmen Superwise Technologies aus Wolfratshausen hat eine Technologie entwickelt, die als Objekterkennung in Mobiltelefonen eingesetzt werden kann.

Mit "Eye-Phone" kann ein Handy jedes beliebige Objekt an jedem beliebigen Ort identifizieren. Damit wird die Umwelt wie ein Computerbildschirm zu einer Oberfläche für digitale Information. Wenn der Nutzer ein Bauwerk, ein Kunstobjekt, ein Tier, eine Pflanze oder ein markantes Landschaftsmerkmal fotografiert, kann er zu diesem Objekt eine Kurzinformation erhalten.

Durch "Eye-Phone" wird das abgebildete Objekt analysiert, anschließend leitet das System die Informationen über den Telefonprovider an eine Bilddatenbank weiter. Mit den dort gespeicherten Daten wird das fotografierte Objekt dann verglichen. GPS-Standortdaten dienen als zusätzlicher Anhaltspunkt bei der Suche. Ist die entsprechende Information ermittelt, wird sie auf das Handy übertragen.

So kann ein Wanderer zum Beispiel in Sekundenschnelle sehen, dass der Vogel mit dem roten Bauch, den er fotografiert hat, ein Dompfaff ist oder ein Tourist in München kann Informationen über die Figuren des Glockenspiels auf dem Rathausturm abrufen.

Das Geheimnis: Das Softwaresystem entscheidet selbstständig, welche Eigenschaften eines Objektes jeweils relevant sind, um es zu bestimmen. So kann sogar ein Fisch auf dem Grill als Makrele identifiziert werden und selbst Bilder, von denen man nur einen Ausschnitt sieht oder Fotos in schlechter Qualität können ausgewertet werden. Eine Verbindung zum Internet ist dafür nicht notwendig, detailliertere Informationen können jedoch anschließend online abgerufen werden.

Superwise hat mit der "Eye-Phone-Technologie" den Galileo-Masters-Wettbewerb 2007 gewonnen, den Bayerischen Innovationspreis der European Satellite Navigation Competition.

"Ein großes Problem bei der Entwicklung war es, den Störfaktor Hintergrund bei der Objekterkennung sozusagen auszuschalten. Wir haben die Technik erst vor wenigen Tagen marktreif vollendet", so Unternehmensvorstand Ernst Pechtl. "Wir stellen uns vor, dass Telefonprovider diesen Service ihren Kunden kostenlos zur Verfügung stellen." Die Software kann sehr einfach in neue Handys eingespeist werden. Im Herbst könnte der Prototyp fertig sein, Verhandlungen mit Mobilfunkfirmen laufen bereits.

Die Anwendung basiert auf der von Unternehmensgründer und Diplomphysiker Hans Geiger entwickelten "Apollo-Technologie", einer Erkennungssoftware, die ähnlich funktioniert wie das menschliche Gehirn. Die Software ist laut Ernst Pechtl weltweit bisher einzigartig und für verschiedenste Anwendungsbereiche geeignet.

So gibt es Pläne, das System bei der Analyse von Satellitenbildern zu nutzen, um die Ozonbelastung in Mitteleuropa vorherzusagen, sowie in der Raumfahrt, der Rüstungs- oder Autoindustrie. Schon jetzt gibt es Anfragen aus der ganzen Welt. Das Unternehmen wird nach Voraussage der Gründer Pechtl und Geiger demnächst erheblich expandieren. Die derzeitige Mitarbeiterzahl von 10 könnte sich bis Jahresende verdoppeln. Auch für das kommende Jahr ist ein Stellenaufbau geplant.

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