Handy-Kosten: Discounter mischen Tarife auf

München - Mittlerweile bieten fast alle großen Discounter auch eigene Handy-Tarife an. Zuletzt kam Lidl in Kooperation mit dem Münchner Provider O2 auf den Markt. Der neue Prepaid-Tarif von Lidl gilt als günstig und vor allem übersichtlich. Wir nahmen dieses und auch die Angebote der Konkurrenz unter die Lupe.

Man geht in die Filiale des Discounters und kauft seine Sim-Karte. Ein Handy dazu sollte man bereits haben. Doch ganz so unbürokratisch wie beim Kauf von Lebens- oder Waschmitteln geht es nicht zu. Denn es wird ein Vertrag geschlossen: Mindesalter 16, eine Anschrift und eine Bankverbindung in Deutschland sind gefordert. Kontodaten und Personalausweis sollte man dabeihaben, denn für die Registrierung will Lidl noch einmal viel wissen: Name, Adresse, Geburtstag, E-Mail-Adresse, Ausweis- oder Reisepassnummer sowie die aktuelle Bankverbindung. Etwa zwei Stunden nach der Registrierung funktioniert das Handy.

Exakt 9,9 Cent ins deutsche Festnetz, 9,9 Cent in alle vier Handynetze, 9,9 Cent für eine SMS. Verwirrend ist es nicht, was Lidl als Angebot auf den Markt für Handy-Tarife wirft. Da gibt es weder Sonderangebote für Nutzer des gleichen Tarifs, noch andere Vergünstigungen. Bezahlt wird vorher per Guthabenkarte. Doch setzt der Preis ohne Vertragsbindung und ohne Fixkosten neue Maßstäbe. Von einer neuen Preisuntergrenze im Prepaid-Bereich ist beim Telefonportal Teltarif.de die Rede. Selbst für Vieltelefonierer, die üblicherweise bei Vertragshandys weniger zahlen, sei, so Marie-Anne Winter von Teltarif, der Lidl-Handy-Tarif interessant.

Kein Netz-Rabatt

Doch hat die Übersichtlichkeit des Handy-Angebots einen Preis. Die meisten Konkurrenten bieten zwischen Handys des eigenen Tarifs Sonderkonditionen. Während man bei Aldi, Plus, Penny oder Rewe für 4 Cent pro Minute zu Handys des gleichen Tarifs telefonieren kann, werden bei Lidl dabei auch 9,9 Cent fällig. Wer innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises vorwiegend besonders günstige Tarif-interne Gespräche führt, der wird, so Marie-Anne Winter, beim Lidl-Tarif "Fonic" nicht unbedingt besser wegkommen.

Im Minuten-Takt

Ein zweiter Nachteil ist die Minuten-Taktung: Die meisten Konkurrenten verlangen nur bei Gesprächen innerhalb der ersten Minute den vollen Preis. Ab der zweiten Minute wird sekundengenau abgerechnet. Damit schlägt ein Lidl-Gespräch in der 61. Sekunde mit 19,8 Cent zu Buche, während vom Guthaben auf der Aldi-Karte erst gut 16 Cent verbraucht sind. Erst nach einer Minute und 26 Sekunden liegt Lidl wieder vorn. In der dritten Minute ist der Sekundentarif-Vorteil bereits nach 9 Sekunden aufgebraucht. Bei Gesprächsdauern von vier Minuten und länger liegt Lidl in jedem Fall vorn. Dauertelefonierer liegen damit bei Lidls "Fonic"-Tarif nicht falsch.

Eine neue Nummer

Wer seine alte Rufnummer behalten muss, um zum Beispiel für zahlreiche langjährige Kunden oder Geschäftspartner erreichbar zu sein, kann das mittlerweile selbst bei vielen Prepaid-Anbietern tun. Doch die Discounter gehören nicht dazu. Hier wird mit einer Ausnahme eine neue Nummer vergeben. Bei diesem Tarif von Plus/Klarmobil handelt es sich genau genommen auch nicht um einen Prepaid-Tarif, bei dem vorweg ein Guthaben gekauft wird. Hier wird nachträglich bezahlt, obwohl das Plus-Tarifgefüge dem von Aldi, Penny und Rewe ähnelt.

Ins Ausland

Lediglich bei grenzüberschreitenden Anrufen wird kräftig aufgeschlagen. Doch selbst hier liegt der Lidl-Tarif "Fonic" mit 99 Cent pro Minute in die meisten Länder auf der vergleichsweise kostengünstigen Seite. Allerdings sollte, wer viel im Ausland unterwegs ist und dort erreichbar sein muss, sich nach Spezialanbietern umsehen. Es gibt Angebote, die bei ankommenden Anrufen aus Deutschland besonders günstige Konditionen (ab 9 Cent pro Minute) bieten. Es gibt welche, bei denen Anrufe aus dem Ausland nach Deutschland mit 29 Cent pro Minute deutlich billiger sind als die Standard-Tarife, aber auch Modelle, bei denen man von Deutschland bereits ab 9 Cent pro Minute ins Ausland telefonieren kann (bei anderen Anbietern beginnen die entsprechenden Tarife zum Teil erst über einem Euro). Die Auslands-Spezialanbieter sind dafür bei Inlandsgesprächen vergleichsweise teuer.

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