Handy-Gebühren im Ausland sollen um bis 70 Prozent sinken

- Brüssel - Schluss mit überteuerten Handy-Gebühren im europäischen Ausland: Die EU-Kommission will die Mobilfunkanbieter zwingen, Gespräche mit dem Mobiltelefon im Urlaub und auf Geschäftsreisen um bis zu 70 Prozent billiger zu machen.

Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die zuständige Kommissarin Viviane Reding machten in Brüssel entsprechende Vorschläge. Mindestens 147 Millionen Mobilfunk-Kunden litten unter den hohen Kosten. Sollte das Vorgehen von den EU-Staaten und dem Europaparlament gebilligt werden, könnte die deutliche Preissenkung schon im Sommer 2007 spürbar sein.

So genannte Roaming-Gebühren fallen an, weil nationale Anbieter mit ausländischen Unternehmen kooperieren, um ihren Kunden international einen Netzzugang zu bieten. Die Kooperationspartner lassen sich das vergüten. Die in der EU stark schwankenden und in einigen Staaten sehr hohen Roaming-Kosten muss weitgehend der Kunde tragen. Beispielsweise zahlt ein Finne für ein vierminütiges Gespräch nach Hause in Schweden 0,20 Euro. Für einen Malteser in Lettland kostet der Anruf nach Hause hingegen 13,05 Euro.

Durchschnittlich sei der Preis, den der Endkunde bezahlt, mit 1,15 Euro fünf Mal höher als die tatsächlichen Kosten dieser Dienstleistung zwischen den Unternehmen, rechnete die Kommission vor. "Die Kosten für Ausland-Telefonate sind auch ungefähr vier Mal höher als die Inlandstarife." So koste ein Ortsgespräch in Polen etwa 0,19 Euro. "Ein deutscher Kunde, der die Grenze nach Polen überquert, muss für den gleichen Anruf 0,34 bis 2,56 Euro pro Minute bezahlen, also das Drei- bis Neunfache."

"Der Binnenmarkt ist erster Linie für den Verbraucher da", sagte Barroso. "Mit unseren Vorschlägen werden sie fairer behandelt." Da die nationalen Aufsichtsbehörden über Jahre hinweg "zu wenig und zu spät" etwas getan hätten, müsse nun die Kommission den Wettbewerb über die Grenzen hinweg garantieren. "Aber wir greifen nicht in einen Markt ein, sondern wir schaffen einen." Barroso sagte, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen seien die so genannten Roamingkosten eine Last. 110 Millionen Teilnehmer seien Geschäftskunden.

Reding erläuterte, die Kommission wolle die Großhandelspreise, also die Preise zwischen den Unternehmen, deckeln. Mobilfunk-Anbieter sollen künftig auf den Großkundenpreis höchstens 30 Prozent aufschlagen und dem Kunden berechnen können. "Dies ist die Spanne, die Betreiber üblicherweise bei inländischen Gesprächen vorsehen können." Dieser "Deckel" dürfte vom Tag des Inkrafttretens der Verordnung für eingehende Gespräche im Ausland nicht überschritten werden. Bei ausgehenden Telefonate hätten die Unternehmen in einer Übergangsphase von sechs Monaten Zeit, um sich auf die neuen Regeln einzustellen.

Reding sagte, so sei Wettbewerb zu Gunsten des Verbrauchers unterhalb der Schwelle gewährt. Die Kommission will zudem, dass die Abrechnungen für das Roaming durchschaubarer werden. Kunden müssten bei Vertragsabschluss genau über die Preise informiert werden. Außerdem sollen nationale Aufsichtsbehörden eingreifen, sollten die Gebühren für SMS- und andere Multi-Media-Nachrichten überzogen sein.

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