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Wenn alles wie geplant läuft, könnte die Reederei für das Jahr 2016 eine Dividende ausschütten. Foto: Angelika Warmuth/Archiv

Hapag-Lloyd ist zurück in den schwarzen Zahlen

In der Schifffahrt ist die Krise zum Dauerzustand geworden. Hapag-Lloyd hat es geschafft, dennoch einen Gewinn zu erwirtschaften. Unter dem Druck des Marktes will das Unternehmen noch härter sparen und im nächsten Jahr sogar eine Dividende zahlen.

Hamburg (dpa) - Die Reederei Hapag-Lloyd schreibt nach verlustreichen Jahren wieder schwarze Zahlen. Dank erheblicher Einsparungen blieb für 2015 unter dem Strich ein Jahresüberschuss von 114 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Hamburg mitteilte.

Im Jahr zuvor stand noch ein Verlust von 604 Millionen Euro zu Buche. "Wir haben auch im Vergleich mit den Wettbewerbern stark aufgeholt und gehören zu den Top-Performern in der Industrie", sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen. Es sei gelungen, die Kosten je Container um 20 Prozent zu senken. Dazu habe allerdings auch der gesunkene Preis für Treibstoff erheblich beigetragen.

Diesen Weg will Habben Jansen fortsetzen. Nach dem erfolgreichen ersten Sparprogramm, das auf der Kostenseite rund 200 Millionen Euro einbrachte, ist nun ein zweites aufgelegt, das allerdings nicht ganz die gleiche Größenordnung erreichen werde. Es enthält eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die von der Optimierung der Ladung und der Schiffsgrößen bis zur Einstellung kleinerer Liniendienste reichen. Wenn alles wie geplant laufe, könne die Reederei für 2016 eine Dividende ausschütten, sagte Habben Jansen.

Die Reedereien können fast nur auf der Kostenseite ihre Erträge verbessern, weil die Frachtraten aufgrund von Überkapazitäten seit Jahren auf einem niedrigen Niveau liegen und zum Teil nicht einmal die Kosten ausgleichen. "So kann es nicht weitergehen; es muss eine Erholung der Frachtraten geben", sagte Habben Jansen.

Die operative Marge der Branche liege bei minus 8,3 Prozent. Er sehe aber einige ermutigende Signale, dass die Frachtraten ihren gegenwärtigen Tiefstpunkt wieder verlassen. So seien weltweit rund 1600 Containerschiffe vorübergehend stillgelegt, das entspricht acht Prozent der Weltflotte. Die Kapazitäten gingen somit zurück.

Mehr Hoffnungen als Befürchtungen verbindet Habben Jansen auch mit dem laufenden Konsolidierungsprozess in der Branche, der sich in Übernahmen und Fusionen zeigt. Dadurch werden auch die Allianzen, in denen große Reedereien zusammenarbeiten und ihre Leistungen bündeln, neu zusammengesetzt. So gehören zum Beispiel die beiden fusionierten chinesischen Staatsreedereien Cosco und China Shipping ebenso wie CMA CGM und deren Übernahmeobjekt APL unterschiedlichen Allianzen an. Sie müssen sich entscheiden, mit wem sie künftig zusammenarbeiten. Die Gespräche über die Neuordnung der Allianzen laufen, wie Habben Jansen sagte. Ergebnisse lägen noch nicht vor.

"Der Markt muss sich stabilisieren", sagte der Hapag-Lloyd-Chef. Größere Unternehmen könnten auch mehr Ruhe in den Markt bringen. Hapag-Lloyd ist gerade mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV zusammengegangen und hat so einen Umsatzsprung von 6,8 auf 8,8 Milliarden Euro realisiert. Weitere Fusionen oder Übernahmen schloss Habben Jansen nicht aus, wenn sich dafür eine passende Gelegenheit ergebe.

Mitteilung Hapag-Lloyd

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