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Haribo-Chef Hans Riegel ist tot.

Milliardär mit Lakritz und Süßem

Haribo-Chef Hans Riegel ist gestorben

Bonn - Er war Deutschlands „Mister Gummibärchen“ und eine schillernde Unternehmerpersönlichkeit. Am Dienstag ist Haribo-Chef Hans Riegel gestorben.

„Haribo macht Kinder froh“, hat der Bonner Süßwarenhersteller Jahrzehnte geworben. Die Fortsetzung des Spruchs „Und Erwachsene ebenso“ kennt fast jeder Deutsche. Mit Haribo-Chef Hans Riegel ist am Dienstag einer der letzten großen Firmenpatriarchen der Wirtschaftswunderzeit gestorben, dessen Produkte das Land mitgeprägt haben. Er wurde 90 Jahre alt und war bis zuletzt fast jeden Tag im Büro. Bei Fruchtgummis und Lakritzen war und ist seine Firma Nummer Eins in Deutschland.

Hubschrauberpilot, passionierter Jäger in seiner Wahlheimat Österreich oder auf Großwildjagden in Afrika, Leistungssportler als junger Mann und Partykönig auf dem eigenen Ausflugsdampfer MS Haribo - Riegel war eine schillernde Persönlichkeit und ein Marketing-Genie. Als „Mister Gummibärchen“ machte er das Fruchtgummi, dessen Geheimrezept er zusammen mit Bruder Paul 1946 vom Vater Johann übernommen hatte, und seine weichen Lakritzschnecken zu einem Dauerschlager in den Süßigkeitenregalen im Land - nicht zuletzt dank der jahrzehntelangen Werbetätigkeit des TV-Stars Thomas Gottschalk.

Hans Riegel habe seine Firma „mit Bauchgefühl und nicht mit Marktforschung zum Erfolg geführt“, sagte Gottschalk nach der Todesnachricht. „Wir waren in einer 23-jährigen Erfolgsgeschichte miteinander verbunden. Mal war er lustig, mal war er streng, aber es war eher eine familiäre als eine geschäftliche Beziehung.“

Über seine geschäftlichen Erfolge redete der eingefleischte Junggeselle Riegel nie gern. Der Jahresumsatz des Unternehmens liegt laut Branchenkreisen bei rund zwei Milliarden Euro. Riegel hinterlässt einen Großkonzern mit 15 Standorten in Europa und rund 6000 Mitarbeitern sowie ein Familienvermögen von geschätzten 2,75 Milliarden Euro. Seit September 2010 sind seine Neffen Hans Arndt Riegel und Hans Guido Riegel mit im Unternehmen, die die Tradition weiterführen.

Riegels hälftiger Anteil geht in eine Privatstiftung, die für den Fortbestand des Konzerns wirken soll. Sie ist im steuerlich attraktiven Österreich angesiedelt, wo Riegel ein Landgut mit Jagd in Hieflau (Steiermark) hatte. Bereits seit 1991 hatte er auch einen österreichischen Pass besessen.

Der am 10. März 1923 geborene Riegel übernahm das Geschäft zusammen mit Bruder Paul kurz nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 von seinem Vater Johann, genannt Hans. Von diesem Namen und der Bonner Heimat (HA-RI-BO) leitete sich auch der Firmenname ab. Der promovierte Volkswirt war der „Hansdampf“ in der Doppelspitze, der aus Zucker, Gelatine, Aroma und Farbstoff immer neue Leckereien produzierte. Bis nach Grönland oder auf die Falkland-Inseln werden Goldbärchen, Lakritz-Schnecken oder Maoam-Kaubonbons geliefert.

Seit Jahrzehnten stand sein Chefsessel am Stammsitz in der Hans-Riegel-Str. 1 in Bonn-Kessenich, direkt am Dampf und Geruch aus der Produktion im alten Backsteinbau. Ganz nah an den Produkten wollte er auch sein, wenn er direkt vom Band probierte: Was Riegel nicht schmeckte, flog raus.

Überhaupt schildern ihn Ex-Mitarbeiter nicht als Freund langer Debatten, sondern ein Firmenherrscher alten Stils, der aus seinem Büro mit den riesigen Fenstern alles im Blick behielt. Immer wieder zu lesen ist die Anekdote vom ersten Haribo-Betriebsrat, der Ende der 90er Jahre nach Schichtende in der Tiefgarage tagen musste.

Fast bis zum Ende seines Lebens hatte Riegel das Glück einer weitgehend intakten Gesundheit. Er machte aber schon wieder einen Spruch draus: Das liege an der großen Menge Gummibärchen-Gelantine, die er schon gegessen habe, sagte er gern in Interviews.

dpa

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