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Mitarbeiter verlassen das Haribo-Werk in Bonn.

Nach fast 100 Jahren

Haribo kehrt Bonner Heimat den Rücken

Bonn - Das "-bo" in Haribo steht für Bonn. Seit einem knappen Jahrhundert hat der Süßwarenkonzern dort seine Heimat. Doch jetzt ziehen die Gummibärchen-Macher um. Was wird aus dem Namen?

Es ist fast ein Jahrhundert her, als Hans Riegel 1920 in einer Bonbonküche mit Kupferkessel in Bonn klein anfing. Aus der Hinterhofklitsche wurde ein internationaler Süßwarenkonzern - Markenzeichen: Gummibärchen, in allen Variationen und Farben. Seit den Anfängen blieb Haribo immer der Heimatstadt Bonn verbunden. Mit dieser Tradition wird nun gebrochen. Die Firmenzentrale wird bis 2017 ins Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz verlagert, in die dortige Gemeinde Grafschaft.

Der Umzug wirft auch Fragen nach dem Firmennamen auf. Haribo setzt sich zusammen aus dem Namen des Gründers Hans Riegel und Bonn. Soll es etwa künftig „Harigra“ heißen? Kaum anzunehmen. Schließlich ist Haribo weltweit ein Markenjuwel, und mit dem bekannten Werbespruch „Haribo macht Kinder froh - und Erwachsene ebenso“ sind in Deutschland Generationen großgeworden. Haribo-Sprecher Marco Alfter stellt daher auch klar: „Haribo bleibt Haribo - und wird nicht Harigra.“

Den Umzug hatte noch Firmenpatriarch Hans Riegel, ein Sohn des Gründers, eingefädelt. „Mr. Haribo“ war im Alter von 90 Jahren im Oktober 2013gestorben. Auch nach seiner Ära wird der Konzern als Familienunternehmen weitergeführt. Weltweit werden erfolgreich Fruchtgummis, Gummibärchen, Lakritzschnecken und Kaubonbons (Maoam) vertrieben. In 18 europäischen Niederlassungen sind rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. Branchenexperten schätzen den Jahresumsatz auf rund zwei Milliarden Euro.

Grafschaft freut sich, Bonn ist sauer

Während sich Grafschaft ob des namhaften Neuzugangs und Investitionen im dreistelligen Millionenbereich sowie wegen rund 300 neuer Arbeitsplätze die Hände reibt, sind die Bonner Stadtoberen verstimmt. Ein geeignetes Areal, mit dem Haribo zufrieden gewesen wäre, konnte allerdings nicht zur Verfügung gestellt werden. Unterm Strich waren die Angebote, Zusagen oder Steuerbedingungen der Nachbarn wohl günstiger als das, was Bonn und Nordrhein-Westfalen anzubieten hatten. Auch aus dem Ausland war Haribo umworben worden.

Haribo-Geschäftsführer Arndt Rüsges stellt der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Pläne für den Bau des neuen Standortes in Grafschaft vor.

War zuerst nur von einem neuen Produktions- und Logistikstandort in Grafschaft die Rede, bestätigte Alfter nun, dass auch Hauptverwaltung und Firmenzentrale mit mehr als 200 Mitarbeitern nach Grafschaft ziehen. Am angestammten Bonner Standort soll mit rund 850 Beschäftigten noch weiter produziert werden. Zur Begründung des Umzugs teilte Haribo mit, das Unternehmen sei sowohl bei der Produktion wie auch bei der Verwaltung an Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Im nur rund 30 Kilometer entfernten Grafschaft soll bis 2017 im Innovationspark Rheinland ein großer Haribo-Standort errichtet werden, mit Logistikzentrum, modernen Produktionsstraßen und großzügig dimensionierten Büros.

Dafür wurde ein 27 Hektar großes Grundstück auf grüner Wiese erworben, verkehrsgünstig mit direktem Autobahn-Anschluss an der A 61. Am beengten Wohngebiet-Standort in Bonn-Kessenich, der aus den Nähten platzt, müssen sich die Fahrzeuge durch die Stadt drängen und Parkplätze gibt es auch nicht ausreichend.

Die Türen der Staatskanzlei und auch des Wirtschaftsministeriums stünden immer offen, sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), am Donnerstag bei der Vorstellung des Vorhabens am künftigen Standort Grafschaft (Kreis Ahrweiler). Es sei die bedeutendste Unternehmensansiedlung in Rheinland-Pfalz der vergangenen Jahrzehnte.

dpa

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