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Münzsammler sollten darauf Acht geben, welche Wahre ihnen angeboten wird.

Münzen

Hart an der Grenze zum Falschgeld

Millionen Deutsche sammeln Euromünzen – und so mancher greift für seltene Stücke tief in die Tasche. Hobbysammler können jedoch schnell Betrügern auf den Leim gehen. Sie gaukeln die Seltenheit ihrer angebotenen Münzen nur vor – wert sind die Münzen nur das Blech, auf dem sie geprägt sind.

Euromünzen aus Luxemburg, San Marino, Monaco – Frank Nerb hat sie alle. Naja, fast alle. Eine der letzten Geldstücke, die der 58-jährige Münzensammler suchte, war eine Zwei-Euro-Sondermünze aus dem Jahr 2007, ausgegeben vom Kleinstadt Monaco in Gedenken an die legendäre Fürstin Gracia Patricia. Im Internetauktionshaus eBay wurde er fündig: Eine Zwei-Euro-Münze mit goldfarbenem Kern und silberfarbenem Ring, zwölf Europasterne sowie dem Konterfei der Fürstin und der Markierung „Monaco 2007“. Für 14,90 Euro schlug Nerb zu – doch als er wenig später einem Sammlerfreund den vermeintlichen Schatz zeigte, war die Freude schnell verflogen: „Er hat mich nur ungläubig gefragt, wie ich auf so eine billige Abzocke reinfallen konnte“, berichtet der Hobbysammler.

Ob in Anzeigen oder im Internet: Münzenhändler ködern arglose Euro-Sammler derzeit verstärkt mit vermeintlich wertvollen Sonderprägungen. Der Haken: „Die vielmals angebotenen Euro-Probemünzen sind gar keine offiziellen Prägungen, sondern private Erzeugnisse, die keinen Sammlerwert besitzen“, weiß der Münzenhändler Tobias Honscha, der das Diskussionsforum „muenzen.net“ betreibt. Auch eine geringe Auflage von wenigen tausend Exemplaren sei – entgegen der Werbung – kein Garant für eine Wertsteigerung. Honscha stellt klar: „Einziger Sinn dieser Prägungen ist es, den Sammlern das Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Trotzdem sitzen Laien dem Schwindel leicht auf. Denn die angebotenen „Euro-Proben“ unterscheiden sich weder in Größe und Metall von echten Euromünzen – oft liegt sogar ein angebliches „Echtheitszertifikat“ bei. Offizielle Probemünzen, auf die es Sammler eigentlich abgesehen haben, existieren tatsächlich – werden aber nicht per Annonce gehandelt. Ganz im Gegenteil: Diese Raritäten dürften nie in Sammlerhände geraten. Wenn nationale Münzprägestätten zu internen Testzwecken in kleinsten Mengen Euros herstellen, werden diese nach dem Test sofort vernichtet.

Aus der Unwissenheit der Hobbysammler und ihrer Leidenschaft für Raritäten schlagen unseriöse Händler systematisch Profit: Im Angebot haben sie neben angeblich slowakischen Probe-Münzen auch Stücke aus weiteren potenziellen Euroländern wie Großbritannien, Lettland oder Polen. Die Händler agieren damit in einer rechtlichen Grauzone – hart an der Grenze zum Falschgeld: Nicht immer ist klar, ob die münzenähnlichen Medaillen überhaupt verkauft werden dürfen. Jede „Euro-Probe“ müsse individuell geprüft werden, erklärt Bundesbank-Jurist Peter Kroker. Medaillen, die eine Aufschrift wie „Euro“ oder Wappen wie den Bundesadler tragen oder offiziellen Euromünzen ähneln, dürften nicht verkauft werden.

Auch Frank Nerb, immerhin kein blutiger Anfänger auf dem Gebiet der Numismatik, hatte anfangs keine Zweifel an der Echtheit seines vermeintlichen Schatzes. Alles deutete auf eine offizielle Prägung hin: das übliche Münzdesign aus Bimetall, die Europasterne, das offizielle Bildnis der Fürstin. Über ein verräterisches Detail stolperte Nerb allerdings nicht: In der Auktionsbeschreibung war nur die Rückseite der Münze zu sehen, nicht aber die Vorderseite. Denn diese sieht bei gefälschten Europroben anders aus als bei offiziellen Proben.

Neben der „Euro-Probe“ aus Monaco werden im Internet auch immer wieder „amtlich bewilligte Europroben“ aus der Schweiz angeboten. Der dortigen Prägeanstalt Swissmint sind jedoch die Hände gebunden: „Es handelt sich um Produkte, die sich scharf an der Grenze der Legalität befinden“, warnt die Prägestätte in ihrer monatlichen Kundenzeitung. Um das Münzgesetz zu umgehen, lauten die Schweizer Euro-Proben nicht auf „Euro“, sondern auf „Europ“. Deshalb könne man die zwielichtigen Hersteller nicht belangen. Trotzdem gibt die Swissmint eine klare Empfehlung ab: „Hände weg von diesen Phantasieprägungen.“

von Sebastian Wieschowski

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