Harte Nüsse für Telekom-Aktionäre

- Hannover - "Focus on growth", "Triple Play", "Next Generation Network" - so mancher Aktionär verstand auf der Telekom-Hauptversammlung in Hannover nur Bahnhof. "Keine Ahnung, was das alles bedeutet", gestand ein 64-jähriger Anleger aus Oberhausen. Und selbst Vorstandschef Kai-Uwe Ricke gestand, dass einiges vielleicht ein wenig abstrakt klinge. Nur eines verstanden die 4600 Anleger in der Tui-Arena gut: Der aktuelle Aktienkurs ist mau. "Ich habe so viel Geld versenkt, dass ich nur noch weinen kann", sagte ein deprimierter Kleinaktionär.

Da kam Ricke auch nicht daran vorbei, ein paar passende Worte zu finden. Die T-Aktie steht aktuell bei etwa 15,40 Euro. "Das kann uns nicht zufrieden stellen", gestand er. Und unter Applaus forderte er: "Wir wollen höhere Kursstände sehen. Dafür arbeiten wir, dafür wollen wir die operativen Kennzahlen weiter verbessern."<BR><BR>Und auch die Aktionärsschützer legten den Finger in die Wunde. "Wer im Frühjahr 2000 mit 63,50 Euro eingestiegen ist, hat seither 75 Prozent verloren", sagte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Und damit nicht genug. Über den Anlegern schwebe ein Damoklesschwert, denn der Bund halte ja weiter den Großteil der Aktien, und niemand wisse, wann wieder neue Papiere auf den Markt kämen, die dann den Kurs belasteten.<BR><BR>Für erregte Gemüter sorgte die bevorstehende Verschmelzung der Telekom mit der Tochter T-Online. Die sei ein "janusköpfiges" Unterfangen, sagte Heise. Einerseits lasse sich mit T-Online das malade Festnetzgeschäft wieder profitabler machen. Das zweite Gesicht sei aber eine hässliche Fratze für die T-Online-Aktionäre. Für 27 Euro hätten sie das Papier erworben, dann sei der Kurs eingebrochen. "Und jetzt, wo es wieder aufwärts geht, wird T-Online eingegliedert", klagte Heise. Die Kauf- und Tauschangebote von 8,99 Euro beziehungsweise von 0,52 T-Aktien seien Minimalkonditionen. Auch in der Vergangenheit habe sich die Telekom nicht aktionärsfreundlich verhalten, was Tausende Klagen im Zusammenhang mit der Immobilienbewertung belegten, kritisierte Heise unter dem Applaus der Anleger.<BR><BR>Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sprach in Sachen T-Online von Schaden für die Aktienkultur in Deutschland. "Wir als Kleinanleger haben uns über den Bund beklagt, der Aktionäre ausbeutet. Sie können jetzt selbst mal prüfen, wie das bei T-Online ist", sagte SdK-Sprecher Lars Labryga. Zwar habe die Telekom ein ordentliches Geschäftsjahr hinter sich. "Doch wenn Sie die gespürte Qualität für sich verbessern wollen, dann müssen Sie fairer mit den Kleinanlegern umgehen", sagte er an Ricke gewandt.<BR><BR>Dieser ging auf die Kritik nur am Rande ein. Die Verschmelzung sei für beide Unternehmen von Vorteil und für die Anleger Gelegenheit, an den Wachstumschancen teilzuhaben. Zur Höhe des Kauf- beziehungsweise Tauschangebots hieß es lediglich, die Bewertung sei von unabhängigen Wirtschaftsprüfern festgestellt worden.<BR><BR>Was die Wachstumsziele betrifft, wurde Ricke konkreter: Im laufenden Geschäftsjahr erwarte man einen bereinigten Gewinn zwischen 20,7 und 21 Milliarden Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. <BR><BR>Den Stellenabbau der vergangenen Jahre verteidigte Ricke. Die Telekom müsse sich der Tatsache stellen, dass sich in der Branche gravierende Veränderungen vollziehen. Man versuche, den "unvermeidbaren Stellenabbau sozialverträglich umzusetzen". In den vergangenen zehn Jahren seien im Schnitt 10 000 Arbeitsplätze pro Jahr eingespart worden.

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