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Weniger Geld für harte Arbeit: Niedrige Erzeugerpreise und das Russlandembargo machen den Bauern zu schaffen.

Einkommen um 30 Prozent eingebrochen

Harte Zeiten für die Bauern

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München/Berlin – Die Gewinne der deutschen Bauern sind angesichts niedriger Weltmarktpreise für Milch und andere Produkte nochmals deutlich abgesackt. In den vergangenen beiden Wirtschaftsjahren fiel das Unternehmensergebnis im Schnitt um 30 Prozent. Die Verluste gehen an die Substanz, klagen Bayerns Bauern.

„Außerordentlich harte Zeiten für die Landwirtschaft“ klagt Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands. Die Zahlen für das Wirtschaftsjahr 2015/2016, die gestern in München gleichzeitig mit der Veröffentlichung der deutschen Zahlen in Berlin präsentiert wurden, sind in weiten Teilen tiefrot. „In den vergangenen 24 Monaten haben die Bauern in Bayern durchschnittlich 30 Prozent ihres Einkommens verloren“, teilte Heidl mit.

Der durchschnittliche monatliche Verdienst einer selbstständigen Arbeitskraft auf dem Bauernhof – das kann neben dem Bauern auch seine Frau sein – lag in Bayern bei 2123 Euro brutto – davon muss die Krankenversicherung und Alterskasse bezahlt werden. Nicht zu reden von den Lebenshaltungskosten und von Investitionen im Betrieb. „Die Bäuerinnen und Bauern bestellen Felder und Wiesen, sie kümmern sich tagtäglich verantwortungsbewusst um ihre Tiere und erzeugen hochwertige Lebensmittel – und doch bleibt ihnen selbst zum Leben nicht mehr viel übrig“, sagte Heidl.

Verantwortlich für die schrumpfenden Einkommen macht Heidl die russische Importsperre für Lebensmittel aus dem Westen, den Machtkampf zwischen den großen Handelskonzernen, die vierte Rekordernte in Folge und hohe Lagerbestände. Der bayerische Bauernpräsident appelliert an den Lebensmitteleinzelhandel, „endlich Verantwortung für die regionale Lebensmittelerzeugung“ zu übernehmen. „Was wir brauchen, sind bessere Preise für die Bauern.“

Auch wenn die Preise insbesondere für die Milch langsam anziehen und im Dezember die Auszahlungspreise an die Landwirte wieder über 30 Cent pro Kilo Milch liegen werden, leiden die Bauern noch unter den Verlusten im Vorjahr. Zwischen Juli 2014 und Juni 2015 waren die Einkommen durchschnittlich um 22,5 Prozent eingebrochen. Im Wirtschaftsjahr 2015/16 schrumpften sie noch einmal um durchschnittlich 8,8 Prozent. Besonders hart hat es im vergangenen Wirtschaftsjahr im Freistaat die Ackerbauern getroffen. Ihr durchschnittliches Unternehmensergebnis ging um über 22 Prozent zurück (auf 41 458 Euro). Milchbauern und Futterbaubetriebe erzielten 40 008 Euro (-1,3 Prozent) und Veredelungsbetriebe (Schweine/Rinder) 35 497 Euro (-3,0 Prozent). Deutlich stärker traf es im Bundesdurchschnitt die Bauern in Schleswig-Holstein, die beim Unternehmensergebnis aller Betriebsformen ein Minus von fast 20 Prozent verkraften mussten.

Lesen Sie hier einen Kommentar der Autorin zum Thema: „Umsteigen auf Öko lohnt sich“

Die Aussichten, die der deutsche Bauernpräsident Joachim Rukwied in Berlin verkündete, deuten eine leichte Erholung an. Bei der Milch und den Schweinen steigen seit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2016 die Preise. Dabei hilft eine stärkere Nachfrage auf internationalen Märkten. Vor allem Exporte nach China zeigen laut Rukwied eine starke Aufwärtsentwicklung. Er erwartet eine leichte Erholung der Unternehmensergebnisse auf niedrigem Niveau.

Kommentar: Umsteigen auf Öko lohnt sich

Eitel Freude wird zu Weihnachten nicht auf den Bauernhöfen herrschen. Seit zwei Jahren sind die Einkommen in der Landwirtschaft dramatisch zurückgegangen. Merkur-Ressortleiterin Claudia Möllers kommentiert.

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