Harter Arbeiter ohne Glamour: Neuer Chef von Infineon tritt an

- München - Der neue Infineon-Chef Wolfgang Ziebart hat ein schweres Amt angetreten. "Ziebart wird eine Menge Erwartungen erfüllen müssen", sagte Infineon-Aufsichtsrat Dieter Scheitor von der IG Metall in München. Denn nach Milliardenverlusten in den vergangenen Jahren verdient Infineon nach Einschätzung von Analysten und Anteilseignern im Vergleich zur Konkurrenz zu wenig Geld.

<P>Die Arbeitnehmer wiederum fordern, dass Ziebart die Profitabilität verbessert, ohne die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland voranzutreiben. Da wichtige Entscheidungen anstehen, bleibt dem früheren Conti-Vize nur wenig Zeit, sich in die neue Branche einzufinden.</P><P>In die wichtigsten Entscheidungen der vergangenen Wochen und Monate war der 54-jährige Ziebart bereits eingebunden. Im Unternehmen hat er dabei einen guten Eindruck gemacht. "Er hat großes technisches Verständnis und eine kollegiale Art", sagt ein Infineon-Manager.</P><P>Der zurückhaltende Ziebart ist ein Gegenstück zum Ende März abgelösten Ulrich Schumacher. "Ziebart ist sicher nicht so ein Egomane. Er ist kein Glamour-Mann, sondern ein hart arbeitender Manager", erkennt auch Aufsichtsrat Scheitor an. Der schillernde Schumacher hatte die IG Metall unter anderem mit der Verlagerung von Konzernfunktionen ins Ausland, radikalem Stellenabbau und der Suche nach so genannten Schwachleistern gegen sich aufgebracht. Dem neuen Mann an der Spitze will die Gewerkschaft eine Chance geben: "Trotz mangelnder Kompetenz der Führungsspitze in der Vergangenheit ist das Vertrauen der Beschäftigten in die Zukunftsfähigkeit von Infineon groß und deshalb besteht auch eine große Leistungsbereitschaft."</P><P>Auch die Arbeitnehmer sehen Handlungsbedarf bei Infineon. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 (30. September) fiel der Konzern wegen hoher Rückstellungen mit einem Minus von 56 Millionen Euro in die Verlustzone zurück. "Das Unternehmen hat noch nicht die Gewinne gemacht, die man in einem Branchenaufschwung erwartet", sagt Theo Kitz, Infineon-Analyst bei Merck Finck. </P><P>In den fetten Jahren müssten die Chipkonzerne ihre Verluste aus den Vorjahren ausgleichen. Konkurrenten wie Samsung und Hynix würden derzeit denn auch dicke Gewinne machen. Viel Zeit für große Veränderungen habe Ziebart allerdings nicht. "Wir sind schon ziemlich spät im Aufschwung." Einige Experten befürchten bereits 2005 wieder Überkapazitäten in der schwankungsanfälligen Branche.</P><P>Handlungsbedarf besteht in der Speicherchipsparte bei Infineon. Das Geschäft mit den DRAMs war in den vergangenen Jahren für die Milliardenverluste verantwortlich. Schumacher hatte daher intensiv eine Abspaltung der Speichersparte geprüft. Die Pläne dafür sind aber mittlerweile vom Tisch. Weiter ausbauen dürfte Ziebart die margenstarke Sparte Automobil- und Industrieelektronik - nicht nur, weil er vom Autozulieferer Conti zu Infineon kam. Durch einen weiteren Ausbau könnte die Abhängigkeit vom Speichergeschäft reduziert werden. <BR></P>

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