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Wegen der Heizkosten gibt es Jahr für Jahr Ärger zwischen Mietern und Vermietern

Heizkosten: Harter Winter wird jetzt teuer

München - Dieser Winter wird besonders teuer. Der wochenlange strenge Frost dürfte vielen Mietern saftige Nachzahlungen bei der Heizkostenabrechnung bescheren.

Unzählige Mieter streiten mit ihren Vermietern noch immer um die Heizkostenabrechnung aus dem Jahr 2008 – da steht schon die nächste Belastung ins Haus. Trotz relativ stabiler Energiekosten 2009 müssen Millionen Bürger nach der Kältewelle dieses Winters wieder mit hohen Nachzahlungen rechnen.

Womit man rechnen muss

Allein im eiskalten Januar brauchten sie im Schnitt 8 bis 10 Prozent mehr Heizenergie als sonst. Das schlägt sich bei der neuen Abrechnung in Mehrkosten von 10 bis 40 Euro nieder, je nach Wohnungsgröße und energetischem Zustand, wie Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund erklärt.

Dazu kommt, dass die Gaspreise zum Jahreswechsel auf breiter Front wieder nach oben kletterten. Viele Versorger erhöhten zum 1. März oder ziehen jetzt im Frühjahr nach. Ein Teufelskreis, der viele in dieser Heizperiode wieder in finanzielle Bedrängnis bringen dürfte, meint Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen. Nachforderungen von mehreren hundert Euro seien keine Seltenheit.

Bei der „zweiten Miete“, die manchen für 2009 schon in wenigen Wochen wieder ins Haus flattert, entfällt der Löwenanteil der Betriebskosten aufs Heizen. „70 bis 80 Prozent der Gesamtkosten macht der Posten Energie aus, das wiegt schwer“, betont Kai Warnecke, Jurist der Eigentümergemeinschaft Haus und Grund. Und dürfte den Dauerstreit zwischen Mietern und Vermietern über die Höhe der Heizkosten weiter anheizen.

Mieter muss erst mal selbst rechnen

„Bei uns stapeln sich aktuell die Einwendungen von Mietern, die die Rechtmäßigkeit der Forderungen bestreiten“, sagt Rudolf Stürzer von Haus und Grund München. „Das wird immer schlimmer.“ Auch die Mietervereine melden zunehmende Streitfälle.

Grundsätzlich gilt: Bezweifeln Mieter die Korrektheit ihrer Heizkostenabrechnung, müssen sie sich innerhalb von maximal 4 Wochen bei ihrem Vermieter melden. Sie haben dann das Recht, Einsicht in die Belege zu nehmen, wie Ropertz erklärt. Das sollten die Betroffenen auch nutzen. Eigentümer müssen es zulassen, dass ein Mieter sich Notizen macht, die Unterlagen fotografiert oder einscannt.

Nach einem neuen Urteil des Bundesgerichtshofs ist ein Vermieter nicht verpflichtet, Kostensteigerungen gegenüber dem Vorjahr zu erläutern (BGH, Urteil vom 13.1.2010, Aktenzeichen: VIII ZR 137/09).

Verbraucherschützer Pause rät dazu, die Kosten zunächst selbst zu überschlagen und damit grob nachzuprüfen, ob die Forderung stimmig sein könnte. Sein Tipp: Die ausgewiesenen Heizkosten durch die Quadratmeterzahl der Wohnung und dann durch 12 Monate teilen. Das ergibt den Wert, der pro Monat und Quadratmeter anfällt.

Mit dieser Zahl könne man annäherungsweise vergleichen, ob man im bundesweiten Mittel von etwa 1,20 Euro liege. „Ist das der Fall, muss der Mieter zahlen“, betont Pause.

Doch die Höhe der Heizkosten hängt auch immer von der Bleibe ab. Bei Erd- oder Dachgeschosswohnungen können die Kosten leicht das Fünf- bis Sechsfache des Durchschnittswerts betragen. Wer „mittendrin“ wohne, zahle in der Regel vergleichsweise weniger, gibt Pause zu bedenken.

„Zu teuer“ reicht nicht

Eine pauschale Zahlungsverweigerung nach dem Motto, „die Kosten sind mir zu hoch“ muss ein Vermieter nicht akzeptieren. Auch wenn es finanziell eng ist: Mieter sollten offene Forderungen nicht monatelang verschleppen, rät Ropertz. Sondern sich lieber Rat vom Mieterverein holen, ob womöglich der Verteilerschlüssel nicht stimmt oder der Flächenanteil falsch berechnet ist. Die Rechtsprechung verlangt vom Mieter konkrete Angaben darüber, warum er nicht zahlen will.

„Auch wenn es bitter ist: der Großteil der Heizkostenabrechnung ist am Ende doch korrekt“, berichtet Pause. Verweigert ein Mieter über Wochen und Monate hinweg grundlos die Zahlung, läuft er Gefahr, dass sein Vermieter vor Gericht zieht und die rückständigen Betriebskosten letztlich einklagt. Schlimmstenfalls riskiert er eine außerordentliche Kündigung wegen nachhaltiger Störung des Mietverhältnisses, betont Warnecke.

Vorauszahlung darf erhöht werden

Wer das Geld für Nachzahlungen nicht auf einen Schlag aufbringen kann, sollte seinen Vermieter ruhig um Ratenzahlung bitten, rät der Deutsche Mieterbund. Fordert der Vermieter eine Erhöhung der Vorauszahlungen, kann sich der Mieter dem nicht entziehen. Einziger Ausweg: Er zieht aus.

von Berrit Gräber

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