Kinderarmut in Deutschland

Hartz-IV-Familie: Schimmel, kaltes Wasser, Kälte - 14-jährige Florentine gibt erschreckende Einblicke

  • vonJonas Raab
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Eine zehnköpfige Familie lebt von 1.400 Euro Hartz IV und Kindergeld in einem völlig maroden Haus. Die 14-jährige Florentine gibt erschreckende Einblicke in die Welt der Kinderarmut.

München - Deutschland ist eines reichsten Länder der Welt. Vor Armut ist man aber auch hierzulande nicht gefeit, wie der Fall der 14-jährigen Florentine aus Nordsachsen zeigt. Zusammen mit ihren Eltern und sieben Geschwistern lebt sie in einem Haus, das diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient hat. Keine Heizung, kein warmes Wasser, eine Ruine voller Müllberge: In der RTL2-Sendung „Armes Deutschland – Deine Kinder“ erzählt Florentine ihre Geschichte.

Das marode Haus der Familie stammt aus DDR-Zeiten und wurde zuletzt 1975 saniert. Florentines Vater hatte es von seinem Großvater geerbt – inklusive 66.000 Euro Schulden. Nach dem Hypotheken-Schock kam es für die Familie aus Nordsachsen noch schlimmer; Florentines Urgroßvater hatte noch viel mehr Schulden angehäuft. Die Stromrechnung des Vorfahren stottert Florentines Vater heute noch ab.

Hartz-IV-Kind Florentine: Kein Strom, keine Heizung

Im Untergeschoss teilen sich zwei von Florentines Brüder ein kleines Zimmer. Doch im Winter würden hier fast alle Kinder schlafen, erklärt Josephine. „Weil es oben nicht richtig warm ist.“ Die 14-Jährige findet recht milde Worte für den Zustand des Hauses. Im Obergeschoss gibt es nämlich keinen Strom und keine Heizung.

Die zehnköpfige Familie lebt von 1.400 Euro Hartz-IV und knapp 1.800 Euro Kindergeld. Das reicht vorne und hinten nicht und lässt Florentines Vater verzweifeln. Er hatte sich beim Umbau des zugemüllten Hauses übernommen, brach nach einem Magendurchbruch zusammen und musste notoperiert werden. Seitdem darf er deshalb gar nicht mehr arbeiten. Dass er seinen Kindern gar nichts bieten kann, tue ihm leid, erklärt er.

Hartz-IV-Kind Florentine ist kein Einzelfall: Corona befeuert Kinderarmut

Laut aktuellen Zahlen der Bertelsmann-Stiftung überschattet Armut den Alltag von mehr als einem Fünftel aller Kinder in Deutschland. Das sind 21,3 Prozent beziehungsweise 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18, die oft viele Jahre von Armut bedroht sind.

Die Coronakrise verschärft die Kinderarmut in Deutschland weiter. Viele arme Kinder drohen, „durchs Raster zu fallen“, erklärt Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Zahlreiche außerhäusliche Unterstützungsangebote vom Staat oder aus der Zivilgesellschaft stünden während des Lockdowns nicht zur Verfügung. Auch beim Homeschooling seien Kinder aus armen Verhältnissen benachteiligt. Häufig verfügen sie nicht einmal über einen Internetzugang, geschweige denn die notwendige technische Ausstattung oder Rückzugsräume zum ungestörten Lernen.

Ausweg aus Hartz-IV-Falle: Florentine fasst einen Plan

Welche Ausmaße das haben kann, verdeutlicht Florentines Fall. Im Haus klafft Bauschaum aus allen Ecken – von Gerümpel und Schimmel umringt. Aus Sperrholz hat sich die Familie behelfsmäßig eine Tür zum Badezimmer gebaut. In der Ecke dahinter steht eine Wanne auf Holzbeinen. Warmes Wasser läuft hier nicht. Florentine hat seit drei Jahren nicht mehr warm geduscht, erklärt sie in dem TV-Format. „Irgendwie fühlt man sich dann dreckig, obwohl man sich gewaschen hat“, sagt sie.

Damit soll jetzt Schluss sein, Florentine hat einen Plan gefasst: Mit den rund 280 Euro an Kindergeld, das die Familie für sie bekommt, wagt die 14-Jährige jetzt einen Aufbruch. Sie will zu ihrer Tante nach München ziehen, den Hauptschulabschluss nachholen und Erzieherin werden.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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