1. Startseite
  2. Wirtschaft

Hartz-IV-Erhöhung ab Januar 2022 sorgt für Frust: „Lächerlich“, „blanker Hohn“

Erstellt:

Von: Jonas Raab

Kommentare

2022 wird der Hartz-IV-Regelsatz angehoben. Grund zur Freude kommt allerdings nicht auf. Wohlfahrtsverbände bezeichnen die mickrige Erhöhung als „armutspolitische Bankrotterklärung“.

Berlin - 2022 bekommen Hartz-IV-Empfänger mehr Geld. Zum Jahreswechsel soll der Regelsatz angehoben werden, wie das das Nachrichtenportal The Pioneer berichtet. Die Freude bei den rund 5,4 Millionen Empfängern der Grundsicherung dürfte sich wohl in Grenzen halten, denn die Erhöhung fällt „lächerlich gering“ aus. Wohlfahrtsverbände springen im Dreieck.

Momentan liegt der Regelsatz für erwachsene Bezieher von Hartz IV bei 446 Euro. „Es ist ein Trauerspiel, wie wenig die Bundesregierung im wahrsten Sinne des Wortes für arme Menschen übrig hat“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Bereits im Frühjahr warnte er vor einem „realen Kaufkraftverlust“.

Hartz IV: So gering fällt die Regelsatz-Erhöhung 2022 aus

Die geplante Regelsatz-Erhöhung bezeichnet der Verband als „blanken Hohn“. Denn laut The Pioneer soll ein Alleinstehender im kommenden Jahr gerade einmal drei Euro mehr Hartz IV bekommen – 449 statt 446 Euro. Der Satz der Grundsicherung für Partner und Ehegatten soll ebenfalls um drei Euro steigen. Er liegt dann bei 404 Euro.

Drei Euro mehr sollen auch Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie Arbeitslose 18-24-Jährige, die noch bei ihren Eltern leben, bekommen. Die Regelsätze liegen dann bei 376 Euro beziehungsweise 360 Euro. Je zwei Euro mehr sind für die Altersgruppen von null bis fünf (311 Euro) und von sechs bis 13 (285 Euro) eingeplant. Insgesamt rechnet der Staat mit zusätzlichen Ausgaben in Höhe von 190 Millionen Euro im Jahr.

Hartz-IV-Regelsatz 2022: Geplante Erhöhung kommt einer Kürzung gleich

Für Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband ist geplante Hartz-IV-Erhöhung nicht weniger als eine „armutspolitischen Bankrotterklärung“. Faktisch gleiche die Anpassung von weniger als einem Prozent nicht einmal die Inflation aus und komme deshalb sogar einer Kürzung gleich, kritisiert der Verband. Im Juli lag die Inflation bei 3,8 Prozent.

Die fortwährende Anpassung der Grundsicherung ist gesetzlich geregelt. Errechnet wird der Hartz-IV-Regelsatz auf Basis der Preis- (70 Prozent) und der Lohnentwicklung (30 Prozent). Bereits seit Monaten sei absehbar gewesen, dass sich die Grundsicherungsleistungen noch weiter vom tatsächlichen Bedarf der Menschen entfernen, wenn bei diesem Fortschreibungsmechanismus nicht nachjustiert werde, erklärt Schneider. „Es ist nicht zu fassen, dass die Bundesregierung die Armen wieder einmal im Regen stehen lässt“, schimpft der Verbandschef.

Hartz IV: Verband fordert einen Regelsatz von mindestens 600 Euro

Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müsste ein sachgerecht ermittelter Regelsatz für einen alleinlebenden Erwachsenen bei mindestens 644 Euro statt den geltenden 446 Euro liegen. In einer breiten Allianz mit Gewerkschaften, anderen Wohlfahrtsverbänden und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert der Verband eine Anhebung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro.

Auch interessant

Kommentare