Hartz IV: Arbeit für wenig Geld wieder gefragt

- München - Die Arbeitsmarktgesetze werfen ihren Schatten voraus. Obwohl Hartz IV erst mit dem Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten soll, treibt es nicht nur Demonstranten auf die Straßen. Plötzlich bemühen sich Arbeitslose wieder um Stellen, für die viele Jahre lang kein deutscher Bewerber zu finden war.Die Landwirtschaft hatte damit Probleme: Spargelstecher kamen aus Polen, Erntehelfer aus Rumänien. Nun registriert Bauern-Präsident Gerd Sonnleitner erhöhte Nachfrage von möglichen Arbeitslosengeld-II-Empfängern.

<P>Für die Erntezeit in Bayern kam die Diskussion wohl zu spät. Es war auch heuer ein großes Problem, für die körperlich anspruchsvollen und schlecht bezahlten Tätigkeiten deutsche Arbeitskräfte zu finden, sagt Martin Wunderlich, Sozialreferent im Bayerischen Bauernverband. "Es war bisher kein Anreiz da." Doch in der Zukunft sieht er sehr gute Chancen. <BR>Eine große Entlastung auch für die Betriebe. Denn Helfer aus Osteuropa durften sehr eingeschränkt und nur befristet eingesetzt werden. Viel Arbeit blieb liegen.</P><P>Immer mehr Betriebe in der Landwirtschaft brauchen außerdem ganzjährig Helfer. So würden im Tierpflegebereich händeringend Stallhelfer gesucht, wie Wunderlich sagt. Und auch viele Spargelbauern benötigen Helfer nicht nur zur Erntezeit.</P><P>Einfache Jobs kann eine Branche, die jahrelang ebenfalls dringend Hilfskräfte suchte, nicht mehr bieten. Schon seit der Einführung der 400-Euro-Jobs stehen bei den Wirten Bewerber Schlange, die einen Nebenjob suchen.</P><P>Echter Mangel herrscht bei ausgebildeten Restaurant-Fachleuten. Hier wird auch Hartz IV nicht viel ändern, wie Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, sagt. Für die klassischen Langzeitarbeitslosen ist das zunächst keine Perspektive.</P><P>Angebot und Nachfrage passen nicht so recht zusammen. Das ist eine Erfahrung, die auch Adecco macht. 75 Prozent der zusätzlichen Bewerber, die durch Hartz IV zu der Zeitarbeitsfirma kamen, hatten keine Ausbildung, weitere 10 % nur eine einfache Ausbildung. Lediglich die restlichen 15 Prozent waren Fachkräfte. Für die allerdings stehen die Chancen gut. Fachkräfte sind gefragt, wie Manfred Brücks von Adecco sagt. Nicht Ausgebildete hätten es schwer. Selbst wo nur ein Produktionshelfer gesucht ist, verlangen Betriebe häufig ausgebildete Bewerber. Bitter für diese: Nach Zeitarbeits-Tarif wird nach der Stelle bezahlt, nicht nach Qualifikation. So kann es sein, dass ein Facharbeiter oder Techniker nur zum niedrigsten Tariflohn bezahlt wird, der zwischen 6 und 7 Euro pro Stunde beträgt.</P><P>Doch die vermehrte Nachfrage von Arbeitslosen ist feststellbar, bestätigt Brücks. Vor allem in den östlichen Bundesländern und hier vor allem in Thüringen und Sachsen ist die Tendenz spürbar, sich verstärkt um Arbeit zu bemühen.</P><P>Brücks unterscheidet drei Gruppen: Die immer Arbeit gesucht, aber keine gefunden haben. Für die ändert sich nun wenig. Auch alle, die ihren Besitzstand wahren wollten, zum Beispiel möglichst lange ausschlafen, werden durch Hartz IV nicht mobiler. </P><P>Die Chance sieht er vor allem für die dritte Gruppe. Das sind Menschen, die arbeiten wollten, aber bislang gewartet haben, bis ihnen eine Stelle angeboten wurde. Oder solche, die nach erfolgloser Suche irgendwann resigniert hatten. Diese Gruppe, so Brücks, "wacht jetzt auf".<BR><BR></P>

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