Hartz IV: Immer mehr Menschen leben von der Sozialhilfe

- München - Durch das Arbeitslosengeld (ALG) II leben heute deutlich mehr Menschen in Bayern auf Sozialhilfeniveau als noch vor einem Jahr. In München bezogen zum Stichtag 15. Juli 60 174 Personen ALG II, dazu kommen noch einmal rund 13 500 vorwiegend alte Menschen, die die so genannte Grundsicherung beziehen. Im Gegensatz dazu bezogen Ende 2004 nur 49 028 Münchner Sozialhilfe. 15 128 (30,86 Prozent) davon waren Kinder unter 18 Jahre.

Seit dem Inkrafttreten von Hartz IV im Januar 2005 erhalten bisherige Sozialhilfeempfänger, die grundsätzlich arbeitsfähig sind, sowie deren Familienangehörige statt der Sozialhilfe ALG II. Das beziehen auch Arbeitslose, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind. Vorher hatten sie mit dem Arbeitslosengeld deutlich mehr erhalten, in der Regel 60 Prozent ihres letzten Einkommens.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch mit 345 Euro monatlich gut leben kann", sagt Bruno Zahner, stellvertretender Landesgeschäftsführer des Sozialverbands VdK Bayern. "Immer mehr Menschen bekommen Probleme wegen Hartz IV." Sein Verband habe noch nie so viele Neuaufnahmen verzeichnet wie dieses Jahr, sagt Zahner. Auch die Sprechstunden der Kreisverbände seien seitdem "proppevoll".

In ganz Bayern bezogen Ende 2004 laut Statistischem Bundesamt 234 000 Menschen Sozialhilfe, davon 61 000 Ausländer, ingesamt 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Sozialhilfequote im Verhältnis zu allen Einwohnern Bayerns lag bei 1,9 Prozent. Damit hatte Bayern bundesweit den niedrigsten Wert. Die höchste Sozialhilfequote hatte Bremen (9 Prozent), gefolgt von Berlin (8 Prozent). In Gesamt-Deutschland bezogen vergangenes Jahr 2,91 Millionen Menschen Sozialhilfe, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dabei beziehen mehr Frauen als Männer Sozialhilfe, deutschlandweit waren es vergangenes Jahr 54,85 Prozent Frauen, in München 54,5 Prozent. Besonders betroffen sind alleinerziehende Mütter. "Ein Kind alleine zu erziehen ist ein Armutsfaktor", sagt Helga Rieck, Abteilungsleiterin im Amt für soziale Sicherung der Stadt München. Oftmals reichten die Unterhaltszahlungen des Partners nicht aus, um den Lebensunterhalt von Mutter und Kind zu sichern. "Oder es kommt gar kein Geld vom früheren Partner", sagt Rieck. Sehr oft hätten alleinerziehende Mütter auch vor der Geburt keinen richtigen Beruf erlernt, das mache einen Berufseinstieg nach der Geburt nur noch schwerer.

Die Hauptleidtragenden sind jedoch die Kinder. "Die Armut der Eltern überträgt sich auf den Nachwuchs", sagt Zahner. 2003 bezogen laut bayerischem Sozialministerium 83 000 Kinder unter 18 Jahre Sozialhilfe, das sind 3,5 Prozent dieser Altersgruppe in Bayern.

Der Regelsatz des ALG II liegt nun bei 345 Euro im Monat für Haushaltsvorstände, zusammenlebende Eltern bekommen je 311 Euro, Kinder bis 14 Jahre bekommen 207 Euro, Kinder bis 18 Jahre 276 Euro monatlich. Dazu kommt das Wohngeld. Die Regelsätze der Empfänger von Sozialhilfe - bedürftige Renter über 65 Jahre sowie Erwerbsunfähige - bekommen in etwa die gleichen Summen.

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