Zusatzeinkommen

Hartz 4: So viel dürfen Empfänger abschlagsfrei hinzuverdienen

  • Markus Hofstetter
    VonMarkus Hofstetter
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Hartz-IV-Empfänger dürfen sich was hinzuverdienen. Das Einkommen wird auf die Grundsicherung angerechnet, doch Freibeträge machen einen Zuverdienst attraktiv.

München - Bezieher von Hartz IV können sich was hinzuverdienen. Zwingende Voraussetzung ist, dass sie dieses Einkommen beim Jobcenter angeben, sonst drohen ernsthafte Konsequenzen. Denn das Verheimlichen von Einkommen gilt als Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet wird.  

Für das Jobcenter ist ein Einkommen grundsätzlich jede Einnahme, die ab der Antragstellung fließt. Dazu zählen auch Einnahmen aus nichtselbständiger und selbständiger Tätigkeit. Diese werden jedoch auf die Grundsicherungsleistung angerechnet. Das bedeutet, das Einkommen führt zu einer Minderung der monatlichen Zahlungen vom Jobcenter.

Hartz IV und arbeiten: Freibeträge machen Jobaufnahme attraktiv

Das Jobcenter gewährt jedoch bei Einnahmen aus nichtselbständiger und selbständiger Tätigkeit einige Freibeträge, für deren Höhe das Bruttoeinkommen entscheidend ist. Verdient ein Hartz-IV-Empfänger bis zu 100 Euro brutto im Monat, ändert sich nichts. Denn Einkommen in dieser Höhe werden nicht auf den Regelsatz angerechnet.

Bei Verdiensten darüber gibt es eine Abstufung. So bleiben zusätzlich 20 Prozent des über 100 Euro bis einschließlich 1.000 Euro liegenden Teils des Bruttoeinkommens anrechnungsfrei.

Zusätzlich zu den beiden genannten Beträgen werden zehn Prozent von dem Bruttolohn über 1.000 Euro bis zur Verdienstobergrenze nicht angerechnet. Bei Leistungsberechtigten ohne Kind liegt diese bei einem Bruttoeinkommen von 1.200 Euro, bei Leistungsberechtigten, die mit mindestens einem minderjährigen Kind in einer Bedarfsgemeinschaft leben, bei 1.500 Euro.

Folgende Beispiele verdeutlichen die Berechnung.

Beispiel 1:

Ein Hartz-IV-Empfänger übt eine geringfügige Beschäftigung aus (bis 450 Euro), auf die in der Regel keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge fällig sind.

Grundabsetzungsbetrag 100 Euro
dazu 20% von den verbleibenden 350 Euro70 Euro
Zusammen bleiben anrechnungsfrei 170 Euro

Beispiel 2:

Ein Hartz-IV-Empfänger ohne Kind erzielt Einkünfte in Höhe von 1.900 Euro brutto. Angenommen, nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen bleiben ihm 1.500 Euro.

Grundabsetzungsbetrag100 Euro
von 100 bis 1.000 Euro = von 900 Euro bleiben 20% frei180 Euro
von 1.000 bis 1.200 Euro = von 200 Euro bleiben 10% frei20 Euro
Zusammen bleiben anrechnungsfrei300 Euro

Hätte der Hartz-IV-Bezieher ein Kind, wären von 1.000 bis 1.500 Euro zehn Prozent frei, also 50 Euro. Insgesamt wären dann 330 Euro anrechnungsfrei.

Hartz IV und Einkommen: nicht nur Arbeitslohn wird berücksichtigt

Diese Freibeträge gelten allerdings, wie anfangs erwähnt, nur für Einnahmen aus selbständigen und nichtselbständigen Tätigkeiten. Damit soll erreicht werden, dass ein Jobsuchender möglichst schnell wieder in das Arbeitsleben zurückfindet.

Für das Jobcenter zählen aber auch folgende Einnahmen als Einkommen.

  • Entgeltersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Elterngeld oder Krankengeld
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, Land- und Forstwirtschaft
  • Unterhaltsleistungen, Kindergeld
  • Kapital- und Zinserträge
  • Einnahmen aus Aktienbesitz
  • Renten jeder Art
  • Einmalige Einnahmen (zum Beispiel Steuererstattungen, Abfindungen, Erbschaften)
  • Berufsausbildungsbeihilfe, Ausbildungsgeld, BAföG

Auch diese Einnahmen müssen beim Jobcenter angegeben werden. Hiervon werden keine Freibeträge, aber Steuern, Sozialversicherungsbeiträge oder Werbungskosten abgezogen, bevor die Einnahmen auf die Hartz-IV-Leistungen angerechnet wird.

Jobcenter können auch sehr hart zu Leistungsempfängern sein. So erlebte eine Hartz-IV-Familie, die ihrem Sohn Homeschooling ermöglichen wollte und ein Notebook kaufte, ihre blaues Wunder.  

Rubriklistenbild: © imageBROKER/Michael Weber via www.imago-images.de

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