Armut in Deutschland

Hartz IV: Jobcenter schockt Familie mit Überweisung

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Eine Familie aus dem Siegerland hatte Ende 2020 mit vielen Hiobsbotschaften zu kämpfen, die kurz vor Weihnachten in einer schockierenden Überweisung vom Jobcenter gipfelten.

  • Kälte, Chaos, Arbeitslosigkeit: Der Fall einer vierköpfigen Familie aus dem Siegerland verdeutlicht die erschreckende Hartz-IV-Realität in Deutschland.
  • Kurz vor Weihnachten überwies das Jobcenter der Familie einen lächerlich niedrigen Betrag für den ganzen Monat. Der Kontoauszug zeigt, wie wenig Geld zum Leben bleibt.
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München - „Ich schäme mich, weil wir keine richtige Heizung haben, keine richtigen Fenster und keine Türen“, sagt der 13-jährige Jannik. Er hat gerade eine Kamera auf sich gerichtet und berichtet im RTL2-Format „Armes Deutschland – Deine Kinder“ von seinen Sorgen. Zusammen mit seinen Eltern und seiner 20-jährigen Schwester Lisa lebt er während dem Lockdown in einem heruntergekommenen Fachwerkhaus, das eigentlich nicht bewohnbar ist. Dreck, Kälte und Unordnung sind für den Achtklässler traurige Realität, die noch ein Stück mehr makaber wird, als Janniks Vater kurz vor Weihnachten auf seinen Kontoauszug schaut.

Janniks Fall verdeutlicht, wie es um viele Hartz-IV-Empfänger und die Kinderarmut im reichen Deutschland wirklich bestellt ist. Seine Eltern wollen arbeiten, überstehen als Zeitarbeiter meist die Probezeit in Betrieben nicht. „Wenn ich acht Stunden lang die Straße fege und dafür Geld bekomme … mir ist das egal, was für einen Job ich mache, Hauptsache wieder etwas zu tun“, erklärt Janniks Vater, als er im Spätherbst zusammen mit seinen Kindern Plätzchenteig knetet. Da hatte der gelernte Pfleger aufgrund fehlender Impfungen gerade seine Anstellung bei einer Pflegeeinrichtung verloren.

Hartz-IV-Familie aus dem Siegerland: Jobcenter überweist weniger als zwei Euro

Im Fachwerkhaus, in dem Janniks Familie lebt, platzt der Putz von der Decke, Bauschaum klafft aus Löchern in den Wänden und Stromkabel hängen aus den Steckdosen. Die vierköpfige Familie lebt auf engstem Raum, heizt nur mit einem Holzofen - und weil die Fenster kaputt sind, ist es im Winter oft eisig kalt. „Wir möchten eigentlich alle hier nicht mehr wohnen, aber wir können es uns nicht leisten, woanders hinzuziehen“, sagt Jannik.

Nachdem Janniks Vater seinen Job verloren hatte, kam es für die Familie aus dem Siegerland noch schlimmer: Das zuständige Jobcenter hat ihnen für den Folgemonat gerade einmal 1,18 Euro überwiesen. Erst nach einer Woche – Janniks Vater wandte sich sofort an das Jobcenter, den Bürgermeister und den zuständigen Landrat – wurde der Fehler korrigiert und das fehlende Geld überwiesen.

Hartz IV und Arbeitslosigkeit: Zeitarbeiter kämpfen mit ständigen Kündigungen in der Probezeit

Im Dezember dann ein Lichtblick: Janniks Eltern arbeiten beide in einer Reinigungsfirma und freuen sich, ihren Kindern diesmal zu Weihnachten vielleicht etwas mehr schenken zu können. Dann der Schock: Zum ersten Weihnachtsfeiertag werden die beiden wieder gekündigt, ohne Angabe von Gründen. Sie waren noch in Probezeit. Die traurige Hartz-IV-Realität: Zieht Janniks Vater von den Jobcenter-Zuwendungen, dem Kinder- und Pflegegeld die laufenden Kosten ab, bleiben der vierköpfigen Familie etwa 400 Euro im Monat zum Leben übrig.

Rubriklistenbild: © Caroline Seidel/dpa

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