Jobcenter knallhart

Hartz IV: Familie kauft Notebook für Homeschooling - und erlebt böse Überraschung auf dem Amt

  • Markus Hofstetter
    vonMarkus Hofstetter
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Eine Hartz-IV-Familie wollte ihrem Sohn Homeschooling ermöglichen und kaufte ein Notebook. Doch beim Jobcenter gab es eine knallharte Ansage.

Soest/Solingen - Für Familien, deren Kinder zur Schule gehen, hat Corona den ohnehin schwierigen Schulalltag zusätzlich verschärft. Homeschooling stellt Schüler und Lehrer, aber auch Eltern vor große Herausforderungen. Häufig sind Platz- und Abstimmungsprobleme an der Tagesordnung. Außerdem muss auch eine entsprechende technische Ausstattung vorhanden sein. Denn ohne PC oder Tablets können Schüler die Lerninhalte von Unterrichtsplattformen nicht herunterladen und bearbeiten. Auch Onlinemeetings sind ohne die entsprechende Hardware nicht drin. (Verfolgen Sie unsere Wirtschaftsberichterstattung auf unserer LinkedIn-Unternehmensseite und diskutieren Sie mit.)

Gerade an der technischen Ausstattung mangelt es in vielen Hartz IV-Familien. Denn der monatliche Regelsatz ist darauf ausgerichtet, den laufenden Lebensunterhalt zu finanzieren, größere Anschaffungen sind nicht vorgesehen. Doch die Jobcenter weigerten sich lange Zeit, für die Kosten für digitale Endgeräte aufzukommen, und Homeschooling damit überhaupt erst möglich zu machen.

Böse Überraschung für Hartz IV-Familie: Jobcenter schickt Ablehnungsbescheid

Erst nach entsprechenden Urteilen verschiedener Sozialgerichte wies die Bundesagentur für Arbeit Anfang Februar 2021 die Jobcenter bundesweit an, diese Kosten in Höhe von bis zu 350 Euro zu übernehmen. Dies gilt nach Angaben von Sozialhilfe24.de rückwirkend ab dem 1. Januar 2021.

Eine gute Nachricht, die aber für eine Hartz IV-Familie aus Solingen offenbar zu spät kam. Laut HartzIV.org kaufte der Onkel des 16-jährigen Sohnes vier Tage vor Inkrafttreten der Regelung für 500 Euro ein Notebook für den Distanzunterricht. Als die Familie das Jobcenter in Soest aufforderte, für die Kosten aufzukommen, folgte ein Ablehnungsbescheid. Für den Mann, der seinen Neffen unterstützen wollte, ein großes Ärgernis. Aus seiner Sicht, so HartzIV.org, werde die Familie dafür bestraft, dass sie im Interesse der Schulbildung des Sohnes gehandelt hat.

Böse Überraschung für Hartz IV-Familie: Jobcenter nehmen schulische Minderleistung in Kauf

Dem Bericht zufolge wollte sich das Jobcenter zu dem konkreten Fall nicht äußern, sondern verwies ganz allgemein auf die Rechtsgrundlage. Man wolle jedoch versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Die Familie aus Solingen scheint kein Einzelfall zu sein. So seien insgesamt 62 Anträge von Hartz IV-Empfängern in Soest abgelehnt worden, doch meist wegen fehlender Quittungen oder überschrittener Altersgrenze, bis zu der Kinder einen Laptop erhalten. Die Behörden scheinen in diesen Fällen in Kauf zu nehmen, dass Kinder von Hartz IV-Familien schulisch immer weiter zurückfallen.

Das Jobcenter hat nicht nur in diesem Fall für Ärger gesorgt. So hatte eine Hartz IV-Familie aus dem Siegerland mit in einer schockierenden Überweisung des Amtes zu kämpfen.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / U. J. Alexander

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