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Hartz IV: Jobcenter verschicken Spar-Tipps für Strom und Gas - „Fühle mich verar...“

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Von: Patricia Huber

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Das Logo der Agentur für Arbeit an einem Gebäude.
Mit einem Brief an Hartz-IV-Empfänger hat das Jobcenter für eine Menge Wut gesorgt. © Christoph Hardt/Imago Images

Die hohen Strom- und Gaspreise treffen vor allem Hartz-IV-Empfänger. Jobcenter haben nun Tipps zum Energie-Sparen an Bezieher geschickt - und sorgen damit für reichlich Unmut.

München - Strom- und Heizkosten möchte derzeit wohl jeder sparen. Die Energiepreise steigen rapide an und liegen inzwischen auf Rekordniveaus. Da dreht man dann mit Blick aufs Konto gerne einmal die Heizung runter und achtet vermehrt darauf, Elektrogeräte abzuschalten. Eigentlich eine logische Reaktion, doch so manches Jobcenter scheint das den Hartz-IV*-Empfängern nicht zuzutrauen.

Hartz IV: Jobcenter verschickt Anleitungen zum Strom- und Heizkosten sparen

Offenbar verschicken Jobcenter bereits Briefe mit Anleitungen zum Strom- und Heizkosten* sparen. Auf Twitter teilte eine Userin diese beiden Schreiben und zeigte sich entsetzt. „Einfach mal dankbar sein, dass das Jobcenter mir erklärt, wie ich noch besser Heiz- & Stromkosten spare, wenn die Sätze schon nicht an die steigenden Energiekosten angepasst werden“, kommentiert sie den Brief sarkastisch.

Zum Jahreswechsel wurde der Hartz-IV-Regelsatz* um drei Euro pro Monat angehoben. Derzeit liegt er bei 449 Euro. Im Verhältnis zur derzeitigen Teuerungsrate von circa fünf Prozent erscheinen diese drei Euro jedoch wie Peanuts.

„Fühle mich mittlerweile einfach nur noch verarscht“, schreibt die Twitter-Nutzerin, die ihrem Frust über den Brief Luft machte. Die „Tipps“, die das Jobcenter gibt, sollten eigentlich jedem bekannt sein.

Hartz IV: Brief des Jobcenters sorgt für Entsetzen

Beispielsweise rät es, das Licht nur dort einzuschalten, wo es gebraucht wird. Außerdem schlägt es vor „bewusst“ zu heizen. „Unterschiedlich genutzte Räume müssen nicht gleich stark erwärmt werden. Selten genutzte Räumlichkeiten, wie z.B. Schlafzimmer und Flure, können geringer temperiert werden. Ein kleiner Tipp: Schließen Sie einfach die Türen zwischen unterschiedlich beheizten Räumen“, heißt es.

Unter dem Tweet finden sich zahlreiche Kommentare von Nutzern, die sich ebenso empört* über das Schreiben zeigen. Ein User schreibt: „Stimmt ja schon, wenn unser Einkommen nicht für ein anständiges Leben reicht, müssen wir einfach etwas blöde sein. Wir brauchen schlaue Ersatzeltern und mehr Erziehung.“ Das Problem, welches die Post-Erstellerin mit dem Schreiben hat, sind jedoch nicht etwa die Tipps. Sondern die Tatsache, dass lediglich von Armut betroffene Menschen, diesen Brief erhalten.

„Sinnvoll ist Energiesparen immer. Problematisch ist, dass viele von uns Armutsbetroffenen das schon tun. Weil wir seit langem keine andere Möglichkeit haben bei zu geringen Sätzen. Und ausgerechnet jetzt solche Briefe zu verschicken, ist dreist“, ergänzt sie. (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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