Ein prall gefüllter Kühlschrank.
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Als der Kühlschrank einer Hartz-IV-Empfängerin kaputtging, kam es zu einem Konflikt mit dem Jobcenter.

Streit um Hilfen

Hartz IV: Jobcenter entschuldigt sich für harte Kühlschrank-Absage und tauscht Sachbearbeiter aus

  • Patricia Huber
    VonPatricia Huber
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Als ein Hartz-IV-Empfänger beim Jobcenter ein Darlehen für einen neuen Kühlschrank beantragt, erhält er statt des Geldes lediglich einen Rat, der für Aufregung sorgte. Nun hat sich das Jobcenter entschuldigt.

Update vom 8. Februar, 11.42 Uhr - Anfang Februar hat Helena Steinhaus vom Verein Sanktionsfrei e.V. mit einem Bericht über einen kuriosen Kühlschrank-Fall eines Hartz-IV-Beziehers auf Twitter für eine Welle der Empörung gesorgt. Nun meldet sie sich mit einer guten Nachricht zurück. Das entsprechende Jobcenter hat sich bei der betroffenen Hartz-IV-Empfängerin entschuldigt und ihr einen neuen Sachbearbeiter zugewiesen. Ein Darlehen benötigt sie jetzt jedoch nicht mehr, da sie bereits einen gespendeten Kühlschrank erhalten hat. Aus dem Schreiben vom Jobcenter*, welches Steinhaus ebenfalls teilt, geht hervor, dass die Bezieherin als Entschädigung für verdorbene Lebensmittel noch eine Barzahlung von 50 Euro erhalten hat.

Hartz-IV-Empfänger benötigt neuen Kühlschrank - und erhält dreiste Absage vom Jobcenter

Erstmeldung vom 26. Januar, 12.43 Uhr - Zwischen Jobcenter und Hartz-IV*-Empfänger kommt es häufiger zu Uneinigkeiten*. Das liegt oft auch daran, dass etliche Leistungen einen enormen bürokratischen Aufwand mit sich bringen. Zusätzliche Leistungen erfordern also eine Menge Papierkram. Aber was passiert in Notsituationen, wenn die Zeit für Anträge und lange Wartezeiten nicht da ist? Ein extremer Fall zeigt nun, dass das Jobcenter dann auch zu ungewöhnlichen „Tipps“ greift.

Behörden-Rat: Für neuen Kühlschrank sparen

Helena Steinhaus ist Gründerin des Vereins Sanktionsfrei e.V., der sanktionierte Hartz-IV-Empfänger unterstützt und somit laut Angaben auf der eigenen Website „das stärkste Druckmittel der Jobcenter unwirksam“ macht. Auf Twitter teilte sie nun den Fall eine Hartz-IV-Empfängerin, deren Kühlschrank kaputtging.

„Das Jobcenter antwortet auf Anfrage nach einem zinslosen Darlehen für einen Kühlschrank, dass ‚aufgrund der Witterungsverhätnisse‘ Lebensmittel draußen gelagert werden und währenddessen Ansparungen* vom Regelsatz gemacht werden könnten“ , schreibt Steinhaus in ihrem Tweet. Und das sorgt für Entsetzen.

Eine Userin kommentiert: „Haben die denn kein Hirn? Lebensmittel draußen lagern ist riskant, vor allem bei ständig schwankenden Temperaturen. Es zieht auch Ratten und andere Tiere an. Wer keinen Balkon hat, soll dann eine Einkaufstasche aus dem Fenster hängen?“ Andere merken an, dass es nahezu unmöglich ist, von dem sowieso bereits knapp bemessenen Regelsatz* von 449 Euro noch etwas zu sparen.

Hartz IV: Darlehen sind in Notlagen möglich - doch die Sache hat einen Haken

Eigentlich besteht für Hatz-IV-Empfänger die Möglichkeit, bei Notlagen, die nicht selbst gelöst werden können, ein Darlehen zu beantragen. Wer also wie in diesem Fall einen neuen Kühlschrank benötigt, muss einen Preisnachweis und einen Kontoauszug vorlegen und einen schriftlichen Darlehensantrag verfassen. Aus diesem muss unbedingt hervorgehen, dass es sich um eine absolute Notlage handelt, erklärt HartzIV.org. Doch es gibt noch ein Problem: Der entsprechende Sachbearbeiter hat dann noch sechs Monate Zeit, den Fall zu bearbeiten – trotz Notfall.

Im Fall, den Helena Steinhaus geschildert hat, hat sich glücklicherweise bereits eine Lösung gefunden. Die gemeinnützige Organisation „Eine Sorge weniger“ hat sich gemeldet und Hilfe angeboten. Sie unterstützt von Armut betroffene Menschen mit Sachspenden. (ph)

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