1. Startseite
  2. Wirtschaft

Hartz IV: Experten warnen - „Steigende Lebensmittelpreise existenzbedrohend“

Erstellt:

Von: Lisa Mayerhofer

Kommentare

Essensausgabe bei der Tafel: Etwas mehr als fünf Euro am Tag stehen Hartz IV-Empfängern für Lebensmittel zur Verfügung.
Etwas mehr als fünf Euro am Tag stehen Hartz IV-Empfängern für Lebensmittel zur Verfügung. (Symbolbild) © Annette Riedl/dpa

Etwas mehr als fünf Euro am Tag stehen Hartz IV-Empfängern für Lebensmittel zur Verfügung. Die steigenden Preise machen ein gesundes Leben nahezu unmöglich, warnen Experten.

Berlin - Die Lebensmittelpreise werden dieses Jahr weiter steigen*. „Nach unseren Umfragen planen in den kommenden Monaten mehr als zwei Drittel der Nahrungsmittelhersteller weitere Preisanhebungen“, sagte der Konjunkturchef des Münchener Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, unlängst der Welt am Sonntag. Das seien so viele wie nie zuvor im wiedervereinigten Deutschland. „Somit dürften die Nahrungsmittelpreise in diesem Jahr ein maßgeblicher Inflationstreiber werden.“

Die Wirtschaftsforscher hätten auch deswegen ihre Prognose für die Inflationsrate 2022 in Deutschland auf vier Prozent hochgestuft. Zuvor hatte bereits der Wirtschaftsweise Volker Wieland vor einer weiter steigenden Teuerungsrate gewarnt. Bei den Lebensmittelpreisen rechnet das ifo Institut sogar mit einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hartz IV: Pro Tag rund fünf Euro für Lebensmittel

Das sei vor allem für Arme existenzbedrohend, warnte Klaus-Dieter Gleitze, Geschäftsführer der Landesarmutskonferenz Niedersachsen, daraufhin. Beziehern von Hartz IV* und Grundsicherung stünden täglich 5,10 Euro* für Lebensmittel zur Verfügung, sagte Gleitze. „Das reicht bereits seit langem hinten und vorn nicht“.

Mit einer Inflation von sieben Prozent stünden nochmal jeden Tag 30 Cent weniger für die Ernährung zur Verfügung. Dringend notwendig sei deshalb als Sofortmaßnahme eine Corona-Einmal-Hilfe von 1.000 Euro sowie die Erhöhung der Regelsätze für Singles auf 600 Euro.

Hartz IV: Gesunde Ernährung wird zur Herausforderung

Auch der parteilose Gegenkandidat zu Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei der Bundespräsidentenwahl 2022, Gerhard Trabert, hat dazu im Gespräch mit kreiszeitung.de* eine klare Meinung. Der von der Linken nominierte Mainzer Obdachlosenarzt unterlag zwar gegen Steinmeier, erfuhr aber mit seinem Einsatz für Arme auch Zustimmung aus anderen politischen Lagern. Steinmeier und Trabert wollen nun einen Fahrplan gemeinsamer Aktivitäten entwickeln.

Für Trabert gehen laut der Zeitung Armut und Gesundheitsprobleme Hand in Hand. Er kritisiert die Vorurteile gegen Hartz IV-Empfänger: „Ich höre immer wieder zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung, Rauchen, Trinken: Ich möchte niemanden aus der Eigenverantwortung entlassen, aber auch dieses Risikoverhalten muss man im Kontext der Lebenssituation sehen. Arm zu sein ist Stress, auch psychischer Stress. Wenn ich zudem als Erwachsener etwa 5,20 Euro* zur Verfügung habe, dann kann ich mich nicht gesund ernähren. Darauf hat auch das Institut für Ernährungswissenschaften immer wieder hingewiesen“. Bei der derzeitigen Hartz IV-Höhe* sei gesund zu leben unmöglich.

*Anmerkung: Beim Hartz-IV-Satz sind 34,7 Prozent für Essen vorgesehen. Das ergibt bei einem Regelsatz von 449 Euro etwa 5,19 Euro pro Tag in einem Monat mit 30 Tagen. Bei 31 Tagen liegt der Durchschnittssatz damit bei rund fünf Euro täglich.

Mit Material der dpa

*Merkur.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare