Hartz muss im Januar vor Gericht

- Braunschweig -­ Gut anderthalb Jahre nach Aufdeckung der VW-Schmiergeldaffäre muss sich der ehemalige VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz ab Mitte Januar vor Gericht verantworten. Das Landgericht Braunschweig teilte mit, dass die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen worden sei und am 17. Januar das Hauptverfahren eröffnet werde.

Dem prominenten Manager wird Untreue in 44 Fällen und Begünstigung des Betriebsrats vorgeworfen. Im VW-Skandal gibt es noch zwölf weitere Beschuldigte. Das Verfahren gegen Hartz war abgetrennt worden.

Mit dem Prozess beginnt jetzt die juristische Aufarbeitung der VW-Affäre um Korruption, Lustreisen und Sexpartys auf Firmenkosten, die den Konzern ab Juli 2005 zutiefst erschüttert hatte. Hartz hatte am 8. Juli 2005 seinen Rücktritt angeboten. Mitte Oktober 2005 hatte er eine "strafrechtliche Verantwortlichkeit für Begünstigungen des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden" eingeräumt. Da der frühere VW-Personalvorstand geständig sei, geht das Gericht davon aus, dass möglicherweise bereits zwei Prozesstage ausreichen, um das Verfahren zu beenden.

Die Justiz wirft Hartz neben Untreue auch die unrechtmäßige Begünstigung von Betriebsräten vor. Allein Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert habe von 1994 bis 2005 von ihm neben seinem Gehalt sogenannte Sonderbonuszahlungen von insgesamt fast zwei Millionen Euro erhalten, ohne dass dies bei VW offen gelegt worden sei. Ursprünglich vorgesehene Kontrollmechanismen habe der mächtige Personalvorstand abgeschafft, fanden die Staatsanwälte heraus.

Auch Volkerts Geliebter, der Brasilianerin Adriana Barros, habe Hartz hohe Summen ohne Gegenleistung zugeschanzt. Sie habe von 2000 bis 2004 insgesamt 400\x0f000 Euro erhalten. Ein mit ihr mündlich geschlossener "Agenturvertrag" sei nur vorgespielt gewesen, um die Geldflüsse "mit dem Schein der Legalität zu schmücken", heißt es in den Papieren der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass Hartz dies gewusst und gebilligt habe.

Nach den Ergebnissen der Untersuchungen habe Hartz seinen Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer 1997 auch generell angewiesen, den Betriebsratsvorsitzenden Volkert "großzügig und wertschätzend" zu behandeln und dabei "nicht kleinlich" zu sein, heißt es in der 63-seitigen Anklageschrift weiter.

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