+
Peter Hartz.

Arbeitsmarktexperte

Hartz: Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit

Saarbrücken - Die Lösung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa kostet nach Einschätzung von Peter Hartz 215 Milliarden Euro. Der Arbeitsmarktexperte hat eine Idee, was zu tun ist.

"Die EU hat Mittel von sechs Milliarden Euro vorgesehen, aber das reicht bei weitem nicht aus", sagte Hartz dem "Handelsblatt" vom Freitag. "Um 5,5 Millionen jugendlichen Arbeitslosen zu helfen, brauchen Sie 215 Milliarden Euro." Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit müsse von den EU-Staaten gemeinsam mit der Finanzindustrie angegangen werden. "Die Ressourcen sind da, Europa ist so reich."

Hartz will am Montag auf einer Konferenz in Saarbrücken ein von ihm und Wissenschaftlern erstelltes Programm namens "Europatriates" vorstellen, mit dem arbeitslose Jugendliche in Europa wieder eine Zukunftsperspektive bekommen sollen. Die Idee dahinter: Arbeitslose Jugendliche finden in einem europäischen Gastland einen Job oder werden dort ausgebildet und kehren dann mit Berufserfahrung in ihre Heimat zurück. Das Herkunftsland wird parallel dabei unterstützt, wieder selbst Jobs zu schaffen. Als ein Instrument zur Finanzierung der Ausbildung wird ein von öffentlichen und privaten Anlegern gespeister Fonds vorgeschlagen, der ein Wertpapier für Ausbildungszeit ausgibt und handelt.

"Wenn Sie die Finanzindustrie dazu bekommen, das mit den Staaten gemeinsam anzugehen, dann ist das doch auch ein riesiges Konjunkturprogramm für die Länder: Es sorgt für Arbeit, löst das Altersvorsorgeproblem der jungen Generation und behebt mittelfristig den Fachkräftemangel in Europas Wirtschaft", sagte Hartz dem "Handelsblatt". In jedem Mitgliedsland müsste eine große Bank für das Projekt gewonnen werden. Die Politik habe auf ihrem Gipfel zur Jugendbeschäftigung am 11. Juli in Turin die Gelegenheit, den Banken in dieser Frage Rückhalt zu signalisieren.

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schäuble in Davos: „You never eat as hot as it is cooked“
Davos/Berlin - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich beim Wirtschaftsforum in Davos milde im Hinblick auf die EU-Verhandlungen mit London. Dabei fiel er mit …
Schäuble in Davos: „You never eat as hot as it is cooked“
Banken in London feilen an Umzugsplänen
Wenn Großbritannien die EU verlässt, welche Geschäfte können Banken dann noch von London aus in Kontinentaleuropa machen? Schon seit längerem machen sich Geldhäuser …
Banken in London feilen an Umzugsplänen
Insolvenzen fallen auf Tiefstand
Die Pleitewelle des vergangenen Jahrzehnts ist abgeebbt. Dank der stabilen Binnenkonjunktur und günstiger Finanzierungen müssen deutlich weniger Unternehmen in die …
Insolvenzen fallen auf Tiefstand
EZB hält Leitzins  auf Rekordtief von null Prozent
Frankfurt/Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner Sitzung am …
EZB hält Leitzins  auf Rekordtief von null Prozent

Kommentare