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ARCHIV - Der Vorsitzende des Conti-Aufsichtsrats, Hubertus von Grünberg, spricht nach der Aufsichtsratsitzung zu den Medienvertretern in Hannover.

Hauen und Stechen um die Macht bei Conti

Hannover/Herzogenaurach - Im Hauen und Stechen um die Macht bei der Conti kommt es am Samstag zum Showdown. Nach der Rücktrittsforderung von Großaktionär Schaeffler an Aufsichtsratsboss Hubertus von Grünberg trifft sich das Conti-Kontrollgremium in Hannover zur Krisensitzung.

Die entscheidende Frage: Gibt von Grünberg dem Druck aus Herzogenaurach nach oder nicht? Zwar stellten sich Gewerkschafter und Führungskräfte hinter den 66-Jährigen, ein Rücktritt des einflussreichen Aufsichtsratschefs aber gilt als möglich.

Zwei Szenarien seien denkbar, hieß es in Hannover: Der Aufsichtsrat stärkt von Grünberg den Rücken und dieser bleibt an der Spitze des Gremiums. Oder: Der Aufsichtsrat stärkt von Grünberg den Rücken, dieser tritt aber dennoch zurück - um den Weg freizumachen für eine Lösung und um Schaden von der Conti abzuwenden. Interesse an dem Posten von Grünbergs bekundete einem Medienbericht zufolge Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler, sie könnte spätestens im April bei der regulären Hauptversammlung gewählt werden. Ein Schaeffler-Sprecher sagte dazu am Freitag: "Hierzu ist noch keine Entscheidung gefallen."

Showdown im Aufsichtsrat

Das Verhältnis zwischen von Grünberg und Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger jedenfalls scheint irreparabel zerstört zu sein. Am Dienstag hatte ein Schaeffler-Sprecher ultimativ gefordert, von Grünberg müsse gehen. Dieser habe systematisch gemeinsame Lösungen sabotiert und verfolge eigene Interessen, das Vertrauen sei zerstört - eine massive Attacke.

In dem Konflikt mitten in der Finanz- und Autokrise, die beide Autozulieferer mit voller Wucht erwischt hat, geht es um Macht und Einfluss, um die Zukunft der Conti - und um viel Geld. Beide Unternehmen sind hoch verschuldet, die Conti-Aktie ging auf Talfahrt. Schaeffler, bisher nicht im Aufsichtsrat vertreten, darf laut der im Sommer 2008 geschlossenen Investorenvereinbarung höchstens 49,99 Prozent halten. Weitere 40 Prozent hat die Gruppe bei Banken geparkt. Doch die dürften wegen der Refinanzierung des Übernahmedeals langsam nervös werden.

Schaeffler will nun aufs Tempo drücken. Die Finanz- und Autokrise habe die Rahmenbedingungen der Übernahme radikal verändert. Notwendig sei ein schneller Zusammenschluss der beiden Autozulieferersparten. Doch in Hannover wird befürchtet, dies könne zulasten der Conti gehen. Im Umfeld des Konzerns hieß es, von Grünberg stehe für eine Überschuldung der Conti mit Schaeffler-Verbindlichkeiten nicht zur Verfügung. Laut Medienberichten forderte von Grünberg, beim Zusammenschluss der Autozulieferersparten einen externen Investor mit ins Boot zu holen. Dies allerdings würde den Anteil Schaefflers verwässern und damit die Position der Franken schwächen.

Bei der Conti herrscht Unverständnis und Wut über die Attacken aus Herzogenaurach. "Von Grünberg tut alles, um für die Conti das Beste herauszuholen, das ist seine Aufgabe", sagte der Sprecher der leitenden Angestellten, Aufsichtsratsmitglied Thorsten Reese. Die Rücktrittsforderung an von Grünberg sei sachlich völlig unbegründet und wäre für die Conti schädlich. Bei der Conti setze langsam eine gewisse Lähmung und Frustration ein, weil Schaeffler keine Perspektive aufzeige.

Schaeffler hat derweil bereits eine Drohkulisse aufgebaut: Trete von Grünberg nicht zurück, behalte sich Schaeffler das Recht vor, alle zehn Sitze der Anteilseigner im Aufsichtsrat neu zu besetzen. Nach Angaben aus Finanzkreisen können die Franken laut Investorenvereinbarung bis zu zehn Vertreter der Kapitalseite in den Aufsichtsrat schicken, aber nur vier aus den eigenen Reihen. Trete von Grünberg nicht "zeitnah" zurück, wolle Schaeffler die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung verlangen.

Unterdessen muss die Conti nach Medienberichten den Weggang eines weiteren Top-Managers verkraften. Finanzchef Alan Hippe, der mit Äußerungen über eine mögliche Kapitalerhöhung großen Ärger bei Schaeffler ausgelöst hatte, soll zum Stahlkonzern ThyssenKrupp wechseln. Im vergangenen Sommer war Vorstandschef Manfred Wennemer zurückgetreten - nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit Schaeffler. 

Von Andreas Hoenig, dpa

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