Hauptversammlung Babcock Borsig: "Die Aktien sind heute wertlos"

- Oberhausen - Die Babcock Borsig AG soll nach Abschluss des Insolvenzverfahrens liquidiert werden. Ab dem kommenden Jahr werde die Holding des Oberhausener Maschinenbaukonzerns im normalen Insolvenzverfahren abgewickelt, kündigte Vorstandschef Horst Piepenburg auf der Hauptversammlung des Unternehmens an. Rechtlich hätten die Aktionäre bereits jetzt jeglichen Einfluss auf die Geschicke der AG verloren. "Die Aktien der Babcock Borsig AG sind heute wertlos", sagte Piepenburg.

<P>Auch die Gläubiger der Holding-Gesellschaft würden ihre Ansprüche nur "im geringen zweistelligen Prozentbereich" erfüllt bekommen, sagte Piepenburg. Daher bliebe für die Aktionäre keinerlei Aussicht auf irgendeine Entschädigung. Die Börsenzulassung sei nur deswegen noch nicht zurückgegeben worden, weil immerhin die theoretische Möglichkeit bestehe, dass ein Investor die AG aufkaufe, um steuerliche Verlustvorträge zu nutzen.</P><P>Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat sollen nach dem Willen von Piepenburg verkleinert werden. Nach der Umstellung des Insolvenzverfahrens von der Eigenverwaltung auf eine normale Abwicklung bis Ende des Jahres soll Vorstandsmitglied Georg-Peter Kränzlin als Alleinvorstand die voraussichtlich bis zum Jahr 2008 andauernde Restabwicklung leiten. Piepenburg selbst strebt den Beiratsvorsitz der Babcock Service GmbH an. Für diesen größten Unternehmensbereich mit rund 2100 Mitarbeitern soll bis Juli ein Investor gefunden werden. Die Energietechnik- und die Umweltsparte sind bereits verkauft.</P><P>Zu dem umstrittenen Verkauf der Anteile an der Kieler Werft HDW an einen US-amerikanischen Investor erklärte Piepenburg, das noch vom alten Vorstand unter Klaus Lederer eingefädelte Geschäft wäre nur mit einem zu hohen Risiko anfechtbar gewesen. Dagegen habe Babcock durch den Verkauf des letzten 25-Prozent-Anteils eine Entlastung von 574 Millionen Euro plus einer Zuzahlung von 60 Millionen Euro erzielt. Piepenburg ergänzte, es sei nicht nachvollziehbar, auf welcher finanziellen Grundlage der alte Vorstand ursprünglich die komplette Übernahme von HDW bewerkstelligen wollte.</P><P>Um den strafrechtlichen Aspekt kümmere sich die Staatsanwaltschaft, erklärte Piepenburg. Die Düsseldorfer Behörde ermittelt gegen Lederer sowie weitere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder unter anderem wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Betrugs. Erst nach weiteren Klärungen könnten dann auch mögliche zivilrechtliche Schritte im Sinne der Aktionäre geprüft werden, sagte Piepenburg. Nach seinen Angaben hat die Babcock Borsig AG im abgelaufenen Geschäftsjahr als Folge der Insolvenz einen Verlust von mehr als drei Milliarden Euro erwirtschaftet.</P>

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