Hausbesuch vom Bankberater: Wie Kunden künftig umworben werden

- München - "Meine Bank kommt zu mir nach Hause": Was bisher als Werbeslogan für Internetangebote galt, könnte bald Realität werden. Die Kreditinstitute wollen verstärkt auf Beratung außerhalb der Filiale setzen, wie eine Studie der Unternehmensberatung Mummert Consulting und des FAZ-Instituts ergab. Der Bankberater auf Hausbesuch und der spontane Anruf vom Kundenbetreuer gehören bald zum Standard. So viel Zuneigung macht Verbraucherschützer stutzig.

<P>"Jedes zweite Kreditinstitut wird bis 2005 die Beratung außerhalb der Filiale anbieten", heißt es in der Studie. "Darüber hinaus bauen 64 Prozent der Banken die proaktive Kundenbetreuung durch Call-Center aus." </P><P>Vollständige Deckung<BR>der Kundenbedürfnisse</P><P>Das heißt: Sammelt sich eine ordentliche Summe auf dem Giro-Konto, klingelt der Mann von der Bank durch und schlägt vor, was mit dem Geld anzufangen ist. Bei Bedarf kommt er ins Wohnzimmer und unterbreitet Anlage-Vorschläge. "So sollen Stammkunden stärker gebunden werden", analysiert Mummert. "Klappt es mit der Kundenbindung, können die Banken auch ihre Vertriebsumsätze steigern. Das Ziel: vollständige Deckung der Kundenbedürfnisse aus einer Hand."<BR><BR>"Die Tendenz geht dahin, dass man in der Beratung sehr individuell auf die Situation des Kunden eingeht", sagt ein Sprecher der HypoVereinsbank. Das Institut setze seit Jahresbeginn zwei Programme ein, um Vorsorge- und Vermögensplanung zu koordinieren. "Wenn sich an der Situation des Kunden oder am Markt etwas ändert, wird das signalisiert. So soll die Beratungsqualität ausgebaut werden." Bislang und auch künftig fänden aber Kundengespräche in der Filiale statt.<BR><BR>Die vorsichtige Distanz zur Bank im privaten Umfeld ist leicht nachzuvollziehen. Verbraucherschützer sehen den Ortswechsel von der Filiale ins Wohnzimmer kritisch. "Einerseits wird bei den Banken am Service gespart, die Kunden sollen Geld am Automaten holen und Überweisungen im Internet tätigen. </P><P>Häusliche Umgebung<BR>verleitet zum Leichtsinn</P><P>Andererseits soll so in Service investiert werden. Das halte ich für eine Mogelpackung. Ich glaube, das ist nicht die Beratung, die der Kunde wünscht", urteilt Markus Saller von der Verbraucherzentrale Bayern. Er befürchtet, dass Kunden durch den Berater im Wohnzimmer überrumpelt werden könnten. "Die Erfahrung zeigt: Die häusliche Umgebung verleitet dazu, die Warninstinkte auszuschalten."<BR><BR>Oliver Wolfrum, Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken, sieht diese Gefahr nicht: "Der Kunde kann ja ablehnen. Er ist souverän und mündig genug, selbst zu entscheiden. Wenn er lieber in die Filiale gehen will, kann er das weiterhin tun. Der Hausbesuch ist ein zusätzliches Angebot." Doch damit sollten die Kunden vorsichtig umgehen, glaubt Verbraucherschützer Saller: "Man sollte sich sehr gut überlegen, ob man so ein Angebot annimmt."</P>

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