Zu Hause sauber, in Deutschland reich

- München/Stockholm - Klimafreundliche Energiequellen in Schweden, umweltschädliche Braunkohlewerke in Deutschland - dieses Vorgehen des staatlichen schwedischen Energieanbieters Vattenfall erzürnt im Vorfeld der heutigen Jahrespressekonferenz die Umweltverbände. "Vattenfall ist einer der größten Klimaverschmutzer in Deutschland", sagt zum Beispiel Bettina Dannheim, Energie-Expertin bei Robin Wood.

<P class=MsoNormal>"Vattenfall soll laut schwedischer Regierung die enormen Gewinne, die sie in Deutschland mit umweltschädlichen Braunkohlewerken machen, in klimafreundliche Energiequellen in Schweden finanzieren", konstatierte die Energie-Expertin. Allein im Jahr 2003 hat die Firma laut Dannheim 69 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die deutsche Atmosphäre geblasen. Auch Svante Axelsson, Chef des größten schwedischen Naturschutzverbandes "SNF", kritisiert Vattenfall scharf. "Es ist zynisch, das eine Land zu verschmutzen, um damit im anderen Land umweltbewusstere Energieproduktion voranzutreiben", sagte er.</P><P class=MsoNormal>Die Umweltverbände sprechen von Doppelmoral, weil 163 Millionen Euro nach dem Willen der Regierung in den Ausbau von 48 schwedischen Windkraftwerken und 653 Millionen Euro in die Effektuierung von Wasserkraftanlagen in Schweden gesteckt werden sollen. Laut dem schwedischen Wirtschaftsminister sei es wichtig, "ökonomischen Erfolg mit umweltfreundlichem Denken" zu verbinden. Letzteres soll aber nur für Schweden gelten, nicht für Deutschland, wo Vattenfall im letzten Geschäftsjahr europaweit mit 7,5 Milliarden Kronen einen der größten Gewinne eingefahren hat.</P><P class=MsoNormal>"Im Gegenteil: Statt mit den Gewinnen umweltfreundliche Energiequellen in Deutschland zu fördern, will man hier die landschafts- und klimaschädliche Braunkohleförderung und -verbrennung, auf der ein Großteil der Konzerngewinne beruht, vorantreiben", ärgert sich Dannheim.</P><P class=MsoNormal>"Die Naturressourcen zur Stromerzeugung in Deutschland und Schweden sind grundverschieden. Vattenfall in Schweden kann fast die Hälfte seiner Elektrizität mit Wasserkraft erzeugen, während in Deutschland die Braunkohle der einzige einheimische Energieträger von Bedeutung ist", erklärt Vattenfall-Pressesprecher Martin May das Vorgehen des Konzerns. "Wenn Vattenfall die Braunkohlekraftwerke in der Lausitz nicht betreiben würde, wäre vermutlich ein anderer Investor an unsere Stelle getreten."</P><P class=MsoNormal>Das sei "Polemik", kontert Axelsson vom schwedischen Naturschutzverband. "Auch in Deutschland könnte ein wirtschaftlich sehr erfolgreicher Konzern wie Vattenfall schon heute auf umweltfreundlichere Energiequellen setzen, auch wenn dies nicht unbedingt Wasserkraft sein muss."</P><P class=MsoNormal>Vattenfall ist der drittgrößte Energieanbieter auf dem deutschen Markt und betreibt vier Braunkohlekraftwerke, vor allem in den Regionen Brandenburg und Sachsen. Ein Großteil von Vattenfalls deutschen Braunkohlekraftwerken wurde in den 90er-Jahren gebaut und ist aus Umweltgesichtspunkten Weltspitze, sagt May. Im Konzern denke man darüber nach, zwei weitere Kraftwerke zu errichten. Das Budget für die Planung im sächsischen Boxdorf und bei Hamburg sei schon bewilligt. Die Entscheidung soll am Jahresende fallen.</P>

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