Von der Hausfrau bis zum Adligen: Auf Schenkkreise fallen alle rein

- Eine Schenkkreis-Welle überschwemmt München seit dem Jahreswechsel. Hunderte Menschen aus der ganzen Republik treffen sich an Wochenenden in den Tagungssälen von Gaststätten und noblen Hotels und setzen ihr Geld auf ein System, das auf den ersten Blick verführerisch ist; dessen zwingendes Scheitern sich jedoch mit Mittelstufen-Mathematik berechnen lässt.

Und obwohl auch in der bayerischen Landeshauptstadt das Gros der Teilnehmer wieder leer ausgehen wird, sagt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern: "Schenkkreise sind einfach nicht totzukriegen."

Wie funktionieren Schenkkreise?

Sie sind nach einem hierarchischen Pyramidensystem organisiert, das meist aus vier Ebenen besteht. Ganz oben steht der Geschenkeempfänger. Zu Beginn ist das in der Regel der Initiator des Kreises. Unter ihm, auf Stufe zwei, stehen zwei Mitspieler, darunter vier und auf Ebene vier schließlich acht. Diese beschenken die Nummer eins mit jeweils demselben Betrag, zum Beispiel 5000 Euro. Der Beglückte kassiert also 40 000 Euro und scheidet dann aus der Runde aus.

Jetzt kommt die Lawine ins Rollen: Die anderen Mitglieder, die auch beschenkt werden wollen, rücken um eine Ebene nach oben. Aus einem Schenkkreis werden dadurch zwei. Doch damit die beiden obersten Spieler bedacht werden können, müssen die acht auf Stufe drei aufgestiegenen Teilnehmer zuerst je zwei Zahler für die vakante Stufe vier anwerben. Gelockt werden die Neuen mit der Aussicht, ihren Einsatz von 5000 Euro zu verachtfachen. In München haben sich auf diese Weise in den letzten Monaten hunderte solcher Kreise gebildet, wie die Polizei schätzt.

Wie groß ist die Chance, Geld zu bekommen?

Unterm Strich wird nur knapp jeder zehnte Mitspieler tatsächlich beschenkt, wie Erfahrungswerte zeigen. Und dabei machen lediglich die Reibach, die schon früh dabei sind. Denn: "Irgendwann finden sich keine neuen Mitspieler mehr", wie die Münchner Kriminalhauptkommissarin Martina Schäfer-Masur erklärt, die seit zwei Jahren Schenkkreise beobachtet. Denn damit das System funktioniert, muss sich die Zahl der neuen Mitspieler nach jeder Auszahlung verachtfachen. Das heißt: Für einen Beschenkten werden anfangs acht Zahler benötigt. Um die wiederum auszuzahlen, braucht es schon 64 neue Opfer. Danach springt die Zahl auf 512, 4096, 32 768 usw.

Warum fallen immer wieder Menschen rein?

Verbraucherschützer und Anlageberater raten seit langem von Schenkkreisen ab. Doch trotz vieler Warnungen lassen sich immer wieder Menschen auf das - so Markus Saller - "hochgradig unseriöse" System ein. Grund dafür ist seiner Einschätzung nach das geschickte Vorgehen der Initiatoren, die unterschiedliche Zielgruppen mit maßgeschneiderten Strategien anwerben. "Gewand und Zielgruppe ändern sich immer wieder", sagt Saller. So wird etwa von Frauenkreisen berichtet, die potenzielle Opfer in Wohnungen einladen, um sie in intimer Atmosphäre zum Mitmachen zu bewegen. Vermögende und adlige Menschen werden in Sterne-Hotels dazu bewegt, den Geldbeutel zu öffnen, andere in esoterisch angehauchten Veranstaltungen.

Machen sich Teilnehmer der Kreise strafbar?

Grundsätzlich sind Schenkkreise legal. "Wir können nicht gegen sie vorgehen", sagt Kommissarin Schäfer-Masur. "Es gibt keine rechtliche Handhabe." Gegen das Gesetz verstößt laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt aber möglicherweise, wer andere zum Mitmachen überredet: "Der Hereingelegte verliert nicht nur mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Einsatz, sondern kann sich auch selber strafbar machen, wenn er andere Teilnehmer wirbt", heißt es in einer DAI-Mitteilung.

Kriegen Geneppte ihr Geld zurück?

Zwei Urteile des Bundesgerichtshofs vom Dezember 2005 ermöglichen es leer ausgegangenen Teilnehmern von Schenkkreisen grundsätzlich, ihr Geld zurückzufordern (Az.: III ZR 72/05 und 73/05). In der Praxis kann es allerdings schwer werden, Ansprüche durchzusetzen, wie Saller sagt. So beispielsweise nicht immer festzustellen, an wen das Geld verschenkt wurde. Der Jurist rät Betroffenen: "Es lohnt sich immer, rechtlichen Rat zu holen."

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