Haushalte könnten viel mehr Strom sparen

Berlin - Mit modernen Haushaltsgeräten könnten die Verbraucher ihre Stromkosten um etwa ein Drittel reduzieren.

Ein Vier-Personen-Haushalt, der sparsame Kühlschränke, Trockner oder Waschmaschinen der Effizienzklasse "A++" kaufe, kann laut einer von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eingesetzten Expertengruppe die Ausgaben von etwa 900 Euro im Jahr um bis zu 340 Euro drücken.

Glos will nun mit der Initiative "Weiße Ware" - so werden Haushaltsgeräte bezeichnet - die Konsumenten mit einem einmaligen Bonus von 150 Euro zum Kauf neuer Kühl- und Gefrierschränke bewegen. Dies diene dem Klimaschutz und könne die Bürger bei hohen Strompreisen entlasten, sagte er am Mittwoch in Berlin.

Im Schnitt trennen sich die Verbraucher erst nach 14 Jahren von einem "Stromfresser" und kaufen einen neuen Kühlschrank. Das Bonusprogramm, das bis Ende 2012 laufen soll, würde etwa 200 Millionen Euro kosten. Das Geld soll aus dem Handel mit CO2- Verschmutzungspapieren kommen. Diese Papiere müssen Unternehmen für den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) teilweise kaufen. Die Hausgeräte-Hersteller unterstützen die Pläne. "Wir sind bereit", sagte der Sprecher der Branche, Miele-Chef Reinhard Zinkann.

Nach dem Willen von Glos sollen die Rechte der Stromkunden insgesamt deutlich gestärkt werden. Die Konzerne sollen günstige Tarife anbieten, die sich nach dem Verbrauch richten. Außerdem soll es eine kostenlose Beratung über Einsparmöglichkeiten geben. Gibt es Streit mit dem Anbieter über die Rechnung oder Preiserhöhung, soll eine neue Energie-Schlichtungsstelle angerufen werden können.

Nach Ansicht der Stromindustrie werden die Kunden bereits hervorragend informiert. Fast alle der 1000 Energie-Unternehmen hätten Beratungsstellen, wo es Tipps zum Stromsparen oder zu Wärmedämmung gebe, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Ob die über 20 Vorschläge der Experten zum Energiesparen in die Tat umgesetzt werden, ist aber offen. Vor allem Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ist skeptisch. Ihm gehen die Pläne der von Glos berufenen Projektgruppe Energiepolitisches Programm (PEPP) nicht weit genug. Auch seien Ideen aus dem Umweltministerium einfach abgekupfert worden.

Die SPD lehnt den Kühlschrank-Bonus ab und fürchtet, die Hersteller würden rasch die Preise erhöhen, um Kasse zu machen. Die SPD hält günstige Stromtarife für einkommensschwache Haushalte für vernünftiger. Nach Ansicht der Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, soll mit den PEPP-Vorschlägen eine sichere und bezahlbare Energieversorgung gewährleistet werden. "Die Verbraucher müssen die Chance bekommen, Energie zu sparen", sagte Kemfert. BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf lobte: "Das Konzept setzt darauf, durch marktkonforme Instrumente die Energieversorgung langfristig bezahlbar und sicher zu machen."

Der Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler, sagte, der geplante Bonus solle vor allem Verbrauchern mit wenig Geld zu Gute kommen. "Die Haushalte mit geringem Einkommen haben immer die schlechtesten Geräte." Die Kommunen begrüßten den Vorschlag, die staatliche Förderung bei der Gebäudesanierung zu erhöhen. Um die öffentlichen Gebäude für den Klimaschutz auf Vordermann zu bringen, würden mehr als fünf Milliarden Euro benötigt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg.

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