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Wer nach einem Unfall krank ist, kann Geld für eine Haushaltshilfe einfordern.

Haushaltshilfe für Unfallopfer

München - Viele Bundesbürger verschenken Geld. Wer nach einem Unfall krank ist, kann Geld für eine Haushaltshilfe einfordern. Oft vergessen selbst Anwälte diesen Schadenersatz-Posten.

Wer bei einem Unfall schuldlos verletzt wird, dem entgehen häufig viele Hundert Euro Schadenersatz. Nur die wenigsten Bürger wissen, dass sie außer Schmerzensgeld unter Umständen auch noch einen sogenannten Haushaltsführungsschaden geltend machen können, wie der Deutsche Anwaltverein (DAV) betont.

Kann sich das Unfallopfer vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr wie gewohnt um Hausarbeit oder Kinderbetreuung kümmern, steht ihm Schadenersatz zu – egal, ob er im Familienverbund lebt oder als Single. Der Geschädigte kann auf Kosten des Unfallverursachers eine Haushaltshilfe engagieren. Wenn Familie und Freunde einspringen, steht dem Verletzten trotzdem ein finanzieller Ausgleich zu. Im Einzelfall können so viele Tausend Euro zusammenkommen, immer auch abhängig davon, wie lang der verletzte „Hausmann“ oder die „Hausfrau“ ausfällt und wie viel sie daheim geschultert hatten.

Weil nur die wenigsten Verbraucher von diesem Schadenersatzposten wüssten, werde oft genug Geld verschenkt, erklärte Bianka Bobell vom Bund der Versicherten (BdV). Selbst Rechtsanwälte machten Haushaltsführungsschäden längst nicht immer geltend. „Ein Durchschnittsanwalt lässt gern die Finger davon, das ist eine sehr komplizierte Schadensposition“, weiß Volker Lempp, Jurist des Auto Clubs Europa (ACE). Hier einige Tipps, wann eine Entschädigung infrage kommt.

Wer kann den Anspruch geltend machen?

Ausschlaggebend ist, dass der Verletzte vor dem Unfall für sich oder andere Familienmitglieder den Haushalt geführt oder sich daran beteiligt hat. Liegt er dann im Krankenhaus, in der Rehaklinik, ist etwa das Bein in Gips oder der Arm ruhig gestellt, kann er Ansprüche gegenüber dem Schädiger respektive dessen Haftpflichtversicherung anmelden. Keine Rolle spielt, ob er berufstätig ist oder nicht. Der Bundesgerichtshof entschied erst am 3. Februar 2009, dass auch ein Single mit eigenem Haushalt Anspruch auf Ersatz des unfallbedingten Ausfalls hat (Aktenzeichen: BGH VI ZR 183/08).

Wann greift das Anrecht auf Ausgleich?

Ein Haushaltsführungsschaden kann nicht nur nach Verkehrsunfällen, sondern auch bei Arzthaftungsfällen oder sonstigen Unfällen mit Personenschaden geltend gemacht werden. Entscheidend ist, dass der Geschädigte körperlich beeinträchtig ist. Bei psychischen Unfallfolgen gibt es kein Geld, wie das Oberlandesgericht Saarbrücken entschied (Az.: 4 U 454/07).

Das hängt immer vom Einzelfall ab. Wird eine Haushaltshilfe eingestellt, können die tatsächlichen Brutto-Lohnkosten mit dem Unfallgegner abgerechnet werden. Das ist aber kein Muss. Der Verletzte darf auch fiktiv abrechnen. Helfen Familienmitglieder aus, können die Kosten für eine Ersatzkraft geschätzt werden.

Wie kann gerechnet werden?

Zum einen muss von einem Arzt geklärt werden, wie eingeschränkt einsatzfähig der Verletzte bei der Haushaltsführung ist. Außerdem spielen die Haushaltsgröße eine Rolle, wie viele Erwachsene und Kinder dort leben und wie viele Wochenstunden der Betroffene vor dem Unfall aufgewandt hat. Orientierung bieten die Berechnungstabellen von Schulz-Borck/Hofmann, die von Gerichten anerkannt werden. Fällt etwa eine Mutter mit schulpflichtigen Kindern 50 Stunden im Monat aus, kann sich das auf rund 1400 Euro summieren, wie die Stiftung Warentest vorgerechnet hat. Häufig wird auch der Stundenlohn für gewöhnliche Hausarbeiten vom Gericht pauschal auf zehn Euro festgesetzt.

Lässt sich der Anspruch allein durchsetzen?

Laien sollten sich in jedem Fall vom Fachanwalt helfen lassen, raten sämtliche Experten einmütig. Gebe es nur einen Unfallverursacher, müssten Unfallopfer keine Scheu vor dem Gang zum Anwalt haben, betont Jörg Elsner, Vorsitzender der DAV-Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht. In diesem Fall würden auch die Anwaltskosten komplett übernommen.

Berrit Gräber

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