Hedgefonds spekulieren auf Preis für Arcelor

- Frankfurt/London - Führende Hedgefonds haben nach Informationen der "Financial Times" in Erwartung eines höheren Gebots für Arcelor Aktien des Stahlherstellers gekauft. Dies schreibt die Zeitung unter Berufung auf Investmentbanker. Derzeit bietet Stahl-Weltmarktführer Mittal Steel vier eigene Aktien sowie 35,25 Euro in bar für fünf Arcelor-Aktien. Zum Zeitpunkt der Abgabe am 27. Januar hatte die Offerte ein Volumen von 18,6 Milliarden Euro. Da die Mittal-Aktie seitdem zulegte, ist das Angebot gemessen am Kursniveau vom Freitagabend eine Milliarde Euro mehr wert. Die Arcelor-Führung lehnt die Mittal-Offerte ab.

"Jeder in der Hedgefonds-Branche blickt auf dieses Geschäft", sagte ein Londoner Banker. Unter den Hedgefonds sollen die britischen Gesellschaften Marshall Wace und GLG Partners sein. Aus den USA sollen Off-Ziff, Duquesne und Perry Capital in Arcelor investiert haben.

Das Angebot des britisch-indischen Unternehmers Lakshmi Mittal für den Luxemburger Stahlkonzern Arcelor ist nach Ansicht von Stahlanalyst Michael Broeker deutlich zu niedrig. Mittal müsse von seinen 28,21 Euro je Aktie auf bis zu 40 Euro je Aktie hochgehen, wenn er bereitwillige Aktionäre finden wolle, sagte Broeker vom Wertpapierdienstleister Steubing AG. Nur mit einer "substanziellen Nachbesserung" des Angebots könnten die Unterschiede der Mittal-Gruppe und Arcelor in der Qualität der Werke ausgeglichen werden. In einer Reihe von Mittals Werken in Osteuropa stehen laut Broeker umfassende Restrukturierungen an. "Diese hat Arcelor bereits hinter sich", sagte er. Die Produktionsleistung von Mittals Werk etwa in Kasachstan liege deutlich unter europäischem Durchschnitt, während die Arcelor-Werke in Brasilien darüber lägen. Broeker hatte mehrere Werke von Mittal in Osteuropa und von Arcelor in Brasilien besucht. "Zwischen den Werken liegen Welten", sagte Broeker.

Nach Ansicht des Branchenkenners wird Arcelor im Rahmen seiner Abwehrstrategie nun die eigenen Aktionäre "über die fundamentalen Unterschiede" der Konzerne eingehend informieren. Statt auf einen "weißen Ritter" von außen zu setzen, werde das weltweit zweitgrößte Stahlunternehmen versuchen, eine Front aus mehreren kleinen Aktionären aufzubauen, sagte Broeker. Er geht davon aus, dass die Übernahmeschlacht zwei bis drei Monate andauern wird. Mittal habe sich bereits grundsätzlich zu einer Nachbesserung des Angebots bereit erklärt.

Grundsätzlich bewerte der Kapitalmarkt europäische Stahlhersteller noch zu niedrig. Deren Ertragssituation sei inzwischen deutlich besser als früher, doch sei dies noch nicht überall wahrgenommen worden.

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