Das Heer der Arbeitslosen wird kleiner

Aufschwung: - München - Das robuste Wirtschaftswachstum hat zum Frühjahrsbeginn für den Aufbau überraschend vieler Stellen gesorgt. Die Arbeitlosenzahlen im März sanken gerade auch in Bayern auf neue Tiefstände, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtete. Zugleich gibt es vom Arbeitsmarkt aber wenig Erfreuliches zu berichten: Gering Qualifizierte profitieren kaum vom Aufschwung und immer mehr Beschäftigte kommen mit ihrem Einkommen nicht mehr zurecht.

Nach Angaben der BA sank die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland im März um 114 000 auf 4,108 Millionen und damit auf den niedrigsten März-Wert seit sechs Jahren. Der monatsbezogene Rückgang fiel fast ein Drittel stärker aus als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 9,8 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 12,0 Prozent gelegen.

Auch in Bayern hielt der Frühling auf dem Jobmarkt Einzug: Die Quote sank ebenfalls um 0,3 Punkte auf 6,2 Prozent; die Zahl der Arbeitslosen ging um 21 000 auf 407 000 zurück. Das waren 129 000 oder fast ein Viertel weniger als vor einem Jahr, berichtete die für den Freistaat zuständige BA-Regionaldirektion. Deren Chef Andreas Stör erklärte bei der Vorlage der aktuellen Monatsstatistik in Nürnberg: "Der Arbeitsmarkt in Bayern hat den besten Jahresstart seit dem Boomjahr 1969 hingelegt."

Der BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise führte den überdurchschnittlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf "die ungebrochene Wirkung der konjunkturellen Belebung" zurück. Trotz der Skepsis mancher Experten sei der Aufschwung nach dem milden Winter unerwartet stark ausgefallen. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) sprach von einer erfreulichen Entwicklung, die aber noch "nicht gut genug" sei. Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) erklärte: "Wir haben jetzt die große Chance, mit der Arbeitslosigkeit gründlich aufzuräumen."

Nach Weises Darstellung profitieren Langzeitarbeitslose kaum vom derzeitigen Aufschwung. Die Zahl der Empfänger des Arbeitslosengeldes II habe sich lediglich um 14 000 verringert, die der Arbeitslosengeld-I-Empfänger dagegen um 100 000. "Die Schlange am Arbeitsmarkt baut sich von vorne ab", sagte Weise. So habe sich die Zahl der arbeitssuchenden Ingenieure im Unterschied zu gering qualifizierten Jobsuchern seit 2006 halbiert.

Im Zusammenhang mit der Kombilohn-Debatte zeigte sich die BA besorgt über die wachsende Zahl von Beschäftigten, die auf staatliche Hilfe angewiesen seien. Im August 2006 hätten rund eine Million Erwerbstätige Arbeitslosengeld II bezogen, weil ihre Löhne und Gehälter unterhalb des Existenzminimums lägen, berichtete Weises Vorstandskollege Heinrich Alt.

In Berlin kritisierte derweil der DGB die laut BA-Statistik sinkende Zahl an betrieblichen Ausbildungsstellen. "Tatsache ist, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen weiter sinkt und junge Menschen nach wie vor größte Schwierigkeiten haben, eine Ausbildung zu erhalten oder gar einen Wunschberuf zu erlernen", sagte der Chef des Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer. Hunderttausende junger Menschen befänden sich zudem in Warteschleifen.

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